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»» RaubsalmlerSalmler mit Tigerzähnen Raubsalmer in der Natur und im Aquarium
Schon am ersten Tag in Amazonien erlebte ich die Beißlust dieser Raubsalmer. Es ist ungelogen, man braucht nur ein Stückchen Fisch mit Angelhaken ins Wasser zu werfen, schon kann man einen mehr oder weniger großen Piranha an Land holen. Die kompakt gebauten Fische mit dem bulligen Beißmaul sind silbrig gefärbt und haben kräftige dunkle Flecken. Die Unterseite ist bei vielen Arten leuchtend rot. Piranhas beißen so leicht, dass auch passionierte Angler sehr schnell die Freude an diesem "Sport" verlieren. Beim Ablösen der Fische vom Angelhaken ist allerdings äußerste Vorsicht geboten. Gerade jetzt sind die mit rasiermesserscharfen Zähnen ausgestatteten Salmler ausgesprochen gefährlich. Auch wenn sie dann zappelnd an Land liegen, sollte man sich ihnen zunächst nur mit Vorsicht nähern. Das scheinen selbst die in der Nähe von Dörfern herumstromernden Hunde und Katzen zu wissen.
So ging es auch mir. Schon am zweiten Tag in Amazonien - genauer gesagt, es war die Yarina Cocha in Peru - machte ich mit Freunden eine Rundfahrt auf diesem großen See. Bei diesem See handelt es sich eigentlich um eine große, vom Flusslauf des Rio Ucayali weitgehend abgeschnittene Schleife. Bei der morgendlichen Fahrt mit unserem Boot begegneten wir gerade einem Fischer, der uns seinen Fang bestaunen ließ: kapitale Buntbarsche, Welse und natürlich viele Piranhas. Wie man sich vorstellen kann, wurde es im Laufe des Vormittags bald sehr warm. Eine Vielzahl frecher Stechfliegen machte uns das Leben schwer. Wir fuhren eine Bucht zum Ankern an. Für mich war Abkühlen angesagt. So sprang ich in die trüben Fluten und schwamm mit zügigen Schwimmstößen in Richtung Seemitte. Meine Freunde zogen es derweil vor, zu Angeln und den Proviant zu dezimieren. Und dann geschah es! Der Biss war schmerzhaft und kam völlig unerwartet. Er war direkt auf meine rechte Oberbauchflanke gerichtet. Ich glaube, einen Moment vergaß ich das Schwimmen. Und dann kam wieder ein Biss, genau an dieselbe Stelle. Ich will die Sache nicht weiter dramatisieren, wie man unschwer erkennt, habe ich überlebt. Es handelte sich auch nicht um Piranhas, das merkte ich nach wenigen Schrecksekunden. So schwamm ich dann - ohne mir meinen Schreck anmerken zu lassen - zügig wieder zurück zum Boot. An Bord sah ich, dass ich - vom Schreck einmal abgesehen - völlig unverletzt war. Die beiden Bisse waren nur so schmerzhaft, weil sie direkt auf einen Leberfleck gezielt waren. Er ist etwas erhaben, und offenbar hatte ein Fisch sich in ihn verbissen und kräftig daran gezogen.
Nun weiß ich wenigstens wie man sich fühlt, wenn man annimmt, dass man von Piranhas umzingelt ist! Aber der Schreck war schnell verflogen. Auch in Zukunft scheute ich das Wasser nicht - allerdings zog ich mir dann immer ein T-Shirt über: als Sonnenschutz für meinen Rücken und vor allem als Salmlerschutz für meinen Leberfleck!
Am häufigsten fängt man Hoplias malabaricus. Diese Raubsalmer sind tarnfarben gezeichnet. Sie haben auf grau-braunem Grund mehr oder weniger regelmäßig angeordnete dunklere Flecken. Typisch sind drei dunkle Streifen, die vom Augenhinterrand nach hinten ziehen: einer schräg nach oben, einer waagerecht zum Rand des Kiemendeckels und einer schräg nach unten. Auch die Flossen sind dunkel gesprenkelt. Die Männchen haben eine fast gerade Bauchlinie, während die Weibchen deutlich fülliger sind.
Zur Gattung Hoplias gehören neben H. malabaricus auch die Arten macrophthalmus aus den Guaiana-Ländern (erreicht bis zu 1 m Länge!) und microlepis aus der Pazifik-Region von Ecuador, aus Panama und Costa Rica (wird lediglich etwa 25 cm lang).
Schon beim Fang war das Tier 15 cm groß. Ich fing ihn zusammen mit Freunden in einer kleinen Schlammpfütze in der Nähe des Rio Ucayali bei Chicosa. Die Wasserwerte: Leitwert 80 Mikrosiemens bei 26° C und einem pH-Wert von 6. Noch heute staune ich, dass ich diesen relativ großen Fisch mit den starken Zähnen im Plastikbeutel heil nach Deutschland bringen konnte. Und das trotz der unglaublichen Verzögerungen und der unfreiwilligen Zusatz-Aufenthalte beim Rückflug. Hier half dem robusten Fisch sein akzessorisches Atemorgan und sein Verzicht, in den Plastikbeutel zu beißen.
Der Lachssalmler Erythrinus erythrinus aus Peru in meinem Aquarium Der Fisch war am Anfang ausgesprochen scheu. Wochenlang hat er sich nicht hinter einem großen Stein hervorgetraut, es dauerte Wochen, bis ich ihn zum erstenmal fressen sah. Heute lebt er in einem gut eingerichteten 100 Liter Becken und misst von der Schnauzenspitze bis zum Ende der Schwanzflosse etwa 20 cm. Das Becken braucht weder Durchlüftung noch Filter. Meist liegt er ruhend am Boden, oder er steht schräg im Wasser, wobei er sich mit der Schwanzflosse am Bodengrund abstützt. Sobald ich jedoch in die Nähe komme, schwimmt mein Lachssalmer heran und bettelt um Futter. Für jeden Besucher ist dieser Fisch Star unter meinen Aquarienbewohnern. Trotz seiner Größe, oder vielleicht gerade deshalb, ist er ein Zierfisch im wahrsten Sinne des Wortes. Kaum ein Aquarianer, dem ich diesen Fisch zeige, kommt auf den Gedanken, dass es sich hier um einen Salmler handelt. Der robuste Fisch mit den lachsfarbenen Flanken, den orangeroten Bauch- und Afterflossen und dem riesigen, blau gerandeten Maul sieht eher wie ein Schlangenkopffisch aus. Auch die fahnenartig ausgezogenen Rücken- und Afterflossen, die abgerundete Schwanzflosse und das Fehlen der Fettflosse lassen nicht so schnell den Gedanken an Salmler aufkommen.
In Lücken zwischen den ufernahen Eichhornia-Dickichten konnte man auch Hoplias und Hoplerythrinus unitaeniatus angeln. Letztere sind leicht an ihren fleckenfreien Flossen zu erkennen. Ihr Körper ist durch einen kräftigen schwarzen Längsstreifen gekennzeichnet. Auch unter Wasser habe ich diese gestreiften Raubsalmler beobachten und filmen können. Ich selbst habe nicht mitgeangelt - mein Verhältnis zu den Raubsalmlern hinderte mich daran! Aber am Abend habe ich doch von dem im Boral Camp servierten Hoplias gekostet. Er schmeckte in der Tat vorzüglich! Es gibt in Südamerika noch eine Reihe weiterer räuberischer Salmler, so die "Flusshunde" Cynopotamus und die Acestrorhynchus-Arten. Ich möchte auf diese Arten hier nicht weiter eingehen. Stattdessen aber noch ein Blick auf die Hechtsalmler, zu denen die Familien Hepsetidae und Ctenoluciidae gezählt werden! Sie stellen einen völlig anderen Typ Räuber dar als die eben angesprochenen Arten. Tigersalmler sind Raubfische, die am Boden gern in Deckung ruhen. Sie gehen gern in der Dämmerung auf die Suche nach Fischen, die sie riechend aufspüren und dann im schnellen Vorstoß packen. Piranhas sind hoch gebaute, meist etwas behäbigere Fische des Freiwassers. Die Hechtsalmler dagegen sind langgestreckte, sehr räuberische Fischfresser mit schlanker, hechtartiger Gestalt. Anders aber als die Deckung liebenden Hechte halten sie sich als rasante Schwimmer gern im freien Wasser auf. Vielleicht sind sie am ehesten mit den im Meer lebenden Barrakudas zu vergleichen. Im Aquarium erweisen sich Hechtsalmler als lebhafte, oft auch als nervöse Raubfische mit einem relativ hohen Futterbedarf. Gut eingewöhnte Tiere gehen aber anstandslos auch an Ersatzfutter. Die Hechtsalmler aus der Familie Ctenoluciidae sind mit den Gattungen Ctenolucius (1 Art) und Boulengerella (3 Arten) in den Tropengebieten Südamerikas zu Hause. Zur afrikanischen Familie Hepsetidae gehört nur eine Gattung mit einer Art. Die afrikanischen und südamerikanischen Hechtsalmler sind sich verblüffend ähnlich; offenbar sind sie nahe verwandt.
In der Literatur werden Geschlechtsunterschiede nicht erwähnt. Da es aber schlanke und größere, sehr viel untersetztere Individuen gibt, kann man annehmen, dass es sich hierbei um Geschlechtsunterschiede handelt. Hepsetus haben im vorderen Bereich der Unterkiefer auffallende nach oben weisende Hautanhänge. Die Bedeutung dieser Lappen ist noch unbekannt. - Davon abgesehen dürfte es sich bei Hepsetus um eine der ursprünglichsten Salmlerarten handeln. - Auch wenn es sich hier um relativ schwimmfreudige Raubfische handelt, stellen sie keine besonderen Ansprüche an den Pfleger. Meine Tiere waren anfangs sehr scheu und jagten so heftig im Becken umher, dass ich befürchten musste, sie könnten sich verletzen. Mit ihren großen Augen beobachteten sie stets aufmerksam ihre Umgebung. Schon nach kurzer Zeit wurden sie zutraulich und kamen in Erwartung des Futters zur Futterstelle. Sicher sind sie vorzugsweise Fischfresser. Man sieht, unter den Salmlern gibt es Räuber von sehr unterschiedlichem Zuschnitt. Besondere Ansprüche an die Wasserqualität stellt keiner von ihnen. Alle sind hochinteressante Pfleglinge für Aquarianer, die einmal etwas Ausgefallenes pflegen wollen. Man bekommt sehr bald ein besonderes Verhältnis zu diesen Fischen, denn sie sind sicherlich verständiger als die meisten der Kleinsalmler. Somit entschädigt es einen etwas für die Mühen der Futterbeschaffung und für die Tatsache, dass eine Vergesellschaftung dieser Tiere nicht immer möglich ist. Wer jedoch einen Garten hat und somit leicht an Regenwürmer herankommen kann, wer seinen Raubsalmlern gelegentlich auch mal Futterfische aus dem Angelladen geben kann, der kann mit ihnen eine jahrelange Freundschaft eingehen.
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