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»» Fischen auf Ceylon
Ceylon, das ist für uns Aquarianer das Land der Ceylon-Makropoden, der Ceylon-Barben und der Hechtlinge. Buntbarschfreunde denken dann vielleicht auch noch an die Etroplus-Arten, die als einzige Cichliden Südasiens auf dieser Insel beheimatet sind. Der mit Abstand häufigste Fisch, den ich dort angetroffen habe, ist jedoch der Mocambique-Maulbrüter Sarotherodon mossambicum. Die Insel der Mocambique-Maulbrüter
Abb. rechts: Schwarzer Spitzschwanzmakropode Pseudosphromenus cupanus Mocambique-Maulbrüter (Sarotherodon mossambicum), besser bekannt vielleicht als Natal-Buntbarsch, (alter wissenschaftlicher Name Tilapia natalensis), sind für das Großaquarium empfehlenswerte Fische. Sie stellen weder an das Futter noch an die Wasserqualität gehobene Ansprüche. Da sie aber immerhin bis zu 40 Zentimeter groß werden können, brauchen sie als erwachsene Tiere schon wirklich riesige Becken, in denen sie dann allerdings angemessen proportionierten Mitbewohnern gegenüber recht friedlich sind. Bekanntlich sind Maulbrüter im allgemeinen weniger aggressiv als substratbrütende Fische - schließlich bilden sie im Gegensatz zu den fast ständig revierverteidigenden Substratbrütern nur kurzzeitig Reviere zum Ablaichen. Die riesigen Mocambique Maulbrüter-Männchen heben dann Laichgruben von bis zu 30 Zentimeter Durchmesser aus. An Pflanzenwuchs im Aquarium ist bei derartigen Baggerarbeiten natürlich nicht mehr zu denken. Immerhin werden die Tiere auch schon mit einer Länge von etwa 10 Zentimetern geschlechtsreif. Die Mutter trägt die Eier und die dann schlüpfenden Jungen fast vier Wochen ununterbrochen im Maul herum. Bei wirklicher oder vermeintlicher Gefahr gewährt sie ihrer Brut auch danach noch bereitwillig Zuflucht in ihrem Maul.
Abb. links: Wenn man in der Nähe von Dörfern fischen will, ist man bald von einer großen Schar neugieriger kleiner Ceylonesen umgeben. In einem der Stauseen zwischen Reisfeldern und dem Mahaweli-Fluß bei Kandy fingen sie mir einen damals etwa 3 Zentimeter langen Schlangenkopffisch*. Er schwimmt heute als fast ausgewachsener Channa gachua in einem meiner Becken; damals aber erkannte ich seine Artzugehörigkeit noch nicht mit Sicherheit. Er sah ganz anders aus als heute: Der Fisch war ungezeichnet goldgelb glänzend. Im hinteren Teil der Rückenflosse befand sich ein schwarzer, sehr auffallender Fleck. Von dem sehr ähnlichen Channa orientalis, der nur auf Ceylon vorkommt, unterscheidet sich Gachua vor allem durch das Vorhandensein von Bauchflossen. Das kleine Tier wurde in einem Schraubglas zusammen mit kleinen Mocambique-Maulbrütern von etwa 6 bis 7 Millimeter Länge und vielen Hüpferlingen untergebracht. Die Hüpferlinge dienten den Maulbrüter-Kindern als Nahrung, die kleinen Maulbrüter sollten als Futter für den Schlangenkopf dienen. Ihr kleines Verlies hatte den Fischen den Appetit nicht verdorben.
Abb. rechts: ein Paar der auf Sri Lanka endemischen Channa orientalis - zu erkennen am Fehlen der Bauchflossen. Einen Tag später fuhr ich mit dem Fischglas im Gepäck nach Colombo. Als ich das Glas nachmittags aus der dunklen Tasche herausholte, stürzten sich die verbliebenen sieben kleinen Maulbrüter zunächst sofort auf die Cyclops, der Schlangenkopf blieb vorsichtig verharrend am Boden des Glases. Doch kaum hatte ich das Glas auf den Tisch gestellt, änderte sich das Verhalten der "Jungtilapien". Hatte ich das Glas zu hart auf dem Tisch abgesetzt? Hatten die Kleinen erst jetzt den Schlangenkopffisch bemerkt? Was jetzt folgte, war geradezu rührend. Alle Fischkinder schwammen zielstrebig auf das Maul ihres verdutzten Todfeindes und versuchten, dort einzudringen. Einige bemühten sich sogar, durch die Kiemenöffnungen in das Maulinnere zu gelangen. Die ethologische Erklärung für diese Fehlleistung ist natürlich klar. Auf die verunsicherten Kleinen wirkte der Räuber wie eine Mutterattrappe - in Freiheit dürfte das sicher kaum vorkommen. Ich hatte meinen Schlangenkopffisch gewissermaßen als lebendes Souvenir aus Sri Lanka noch über zwei Wochen durch Südasien transportiert, bevor ich ihn zu Hause unterbringen konnte. Dabei hatte er seine Härte in manchen Situationen unter Beweis stellen müssen. Ich erinnere mich vor allem an das stundenlange Warten auf dem Flughafen in Colombo. Bei brütenden 31° C in der Wartehalle sah ich am Rande des Flugfeldes mein Gepäck liegen - oben auf dem Gepäckwagen, in praller Mittagsglut, zwei Stunden lang! Das Leben meines Schlangenkopfes war mir keinen Pfifferling mehr wert - gewiss hat nur sein Labyrinthorgan es ihm ermöglicht, diese Tortur durchzustehen. ![]() Zum Foto oben: der aus Sri Lanka mitgebrachte Schlangenkopffisch, ein herrlich gefärbter Channa gachua Schlangenkopffische sind überaus schnellwüchsig. Man glaubt geradezu, sie wachsen zu sehen. Mein Channa gachua aus Ceylon hat sich inzwischen blaugrau gefärbt und seinen Augenfleck in der Rückenflosse verloren. Er ist kaum von seinen Artgenossen aus Thailand zu unterscheiden. Wenn ich die Tiere mit größeren oder gleich großen Fischen vergesellschafte, erweisen sie sich als angenehme Aquarienbewohner. Pflanzen lassen sie unbehelligt. Nur mit Artgenossen vertragen sie sich leider nicht. Somit ist zumindest derzeit an Zuchterfolge nicht zu denken. Dagegen bereitet die gemeinsame Unterbringung mit Buschfischen oder Kletterfischen kein Problem. Auch die Fütterung ist einfach. Natürlich kann ich meinem Channa jetzt keine Maulbrüter mehr bieten - jedenfalls nicht in solchen Mengen -, aber er ist auch mit Regenwürmern, Pellets (Forellenfutter) und kleinen Fisch- und Fleischstückchen zufrieden zu stellen. unten: Frisch gefangener Anabas testudineus, ein Kletterfisch
Ausgezeichnet miteinander sind die verschiedenen Barben und Bärblinge dieser Insel zu vergesellschaften. Den meisten Aquarianern bekannt sind sicher die Ceylonbarbe (Barbus cumingi) und die genügsamen und schönen Bitterlingsbarben(Barbus titteya).[ Die Bitterlingsbarbe war "Fisch des Monats" im Dezember 2007; weiteres hierzu kann man unter "Ex-Fische" nachlesen!] Ich möchte hier auf eine in Sri Lanka häufige Art aufmerksam machen, die man in unseren Aquarien jedoch nur selten sieht: die Zweifleckbarbe Barbus bimaculatus. Es handelt sich um eine recht ansprechend gefärbte, relativ, langgestreckte, muntere Art. Die Männchen haben einen breiten, orangefarbenen Körperlängsstreifen, der die ganze Körperachse von der Schnauzenspitze bis zur Schwanzflosse durchzieht. Typisches Kennzeichen dieser im Übrigen silbrig glänzenden Fische sind zwei schwarze Flecken - einer am Grund der Rückenflosse und ein weiterer in der Schwanzflossenbasis. Der orangefarbene Streifen ist bei den etwas Magenuntersuchungen an Wildtieren haben ergeben, dass sie in ihrer Heimat ausgesprochene Pflanzenfresser sind. Vor allem Blyxa ceylonica wurde bevorzugt gefressen. In meinem Aquarium lebt seit etwa drei Jahren ein achtköpfiger Schwarm der Barbus bimaculatus - ich habe in meinem Pflanzendschungel noch keine Fraßspuren ausmachen können. Vielleicht gehen sie an bereits abgestorbene Blätter. Das wäre mir nur recht. Sie stürzen sich wie alle Barben auf Lebend- und Trockenfutter fast jeder Art. Oben rechts: Auch in Sri Lanka zuhause: die Bitterlingsbarbe Barbus titteya. Unten rechts: Nur auf Ceylon daheim: Rasbora vaterifloris Zusammen mit den Zweifleckbarben lebt bei mir auch ein kleiner Schwarm der reizvollen Rasbora vaterifloris. Dieser Perlmutt-Bärbling kommt unter anderem in den Bächen des Regenwaldes im Süden der Insel (Kottawa Forest Reserve) vor. Es sind hochrückig gebaute, besonders großäugige Schwarmfische, die im ersten Augenblick an Salmler erinnern. Die goldgelb gefärbten Tiere sind recht anspruchslos, wünschen aber nicht zu hartes Wasser. Sie gehören zu den wenigen Fischen, die auch im Aquarium sehr gern lebende Ameisen fressen. Geisler beschreibt, dass diese Nahrung auch im Freiwasser bevorzugt wird: "Die Fische wurden in dem relativ breiten Andonawa-Fluß nicht über dem ganzen Flußquerschnitt gleichmäßig gefunden, sondern nur in Ufernähe, soweit Bäume und Sträucher über den Wasserspiegel herüberragten. Sie standen in der schwachen Strömung unter den überhängenden Landpflanzen - gleichgültig ob besonnt oder schattig - und erwarteten dort von den Pflanzen herabfallende Insekten. Die Mägen der Fische waren meist prall gefüllt mit Ameisen, deren dickharte Kopfschilder die Magenwandung knollig ausbogen." - Im Aquarium nehmen auch die Rasbora vaterifloris anstandslos jedes übliche Lebend- und Trockenfutter. Neben den gelben Perlmuttbärblingen gibt es auch noch eine mehr blau schillernde Variante.
Nachdem ich mit der Erwähnung von Kletterfisch (Anabas testudineus) und vom Ceylon-Makropoden (Belontia signata) bereits einige Labyrinthfische genannt habe, kann ich hier noch zwei Arten nicht völlig übergehen. Die erste Art ist der Schwarze Spitzschwanzmakropode (Pseudosphromenus cupanus), der mit den eigentlichen Makropoden oder Paradiesfischen ebenso wenig zu tun hat wie der Ceylon-Makropode - trotz der Namen! Schwarze Spitzschwanzmakropoden sind in den Küstengebieten recht häufig. Sie führen aber ein sehr heimliches, verstecktes Leben. Auch im Aquarium sind sie recht zurückhaltend. Mit den obengenannten Barben und Bärblingen sind sie ohne weiteres zu vergesellschaften. Auch im Gesellschaftsaquarium sieht man den Labyrinther gelegentlich ablaichen. Das Weibchen färbt sich zur Fortpflanzungszeit fast schwarz - daher der Name Schwarzer Spitzschwanzmakropode. Die helleren Männchen haben dann rote Augen und rote Bauchflossen. Diese friedlichen und genügsamen Fische sind von der Färbung her also nicht gerade aufregend. Auch sie findet man daher nur selten in den Becken der Zierfischliebhaber.
Noch seltener sieht man im Aquarium den Gefleckten Spitzschwanzgurami (Malpulutta kretseri), der ebenfalls ein recht verstecktes Leben führt. Diese etwas empfindliche Art, von der es eine blaue und eine rötliche Unterart gibt, ist nur für kleine und mittelgroße Artbecken geeignet. Sie braucht weiches, leicht saures Wasser und Lebendfutter. Es ist also wirklich kein Fisch für jedermann! Für eingefleischte "Labyrinthianer" ist diese dekorative Art aber ein begehrenswertes Kleinod! Zwar ist der schlanke Kleinfisch nicht besonders farbig, aber die lang ausgezogene Rückenflosse und der noch längere Schwanzflossenzipfel macht die Männchen zu wirklichen Prachtstücken. Auch über diese Art und ihre Zucht habe ich an anderer Stelle bereits ausführlich berichtet. Ich bin kein Verfechter von strengen Biotop-Aquarien. Daher habe ich keine Hemmungen, meine ceylonesischen Barbus titteya mit malaiischen Keilfleckbarben oder Knurrenden Guramis aus Thailand zusammenzusetzen. Immerhin kann ich die Biotop-Freunde verstehen, und ich muss gestehen, dass mein großes Asienbecken im Wohnzimmer für Salmler aus Südamerika oder für südamerikanische Zwergcichliden tabu ist! Aber das ist wirklich reine Geschmackssache. Auch als strenger Biotop-Fanatiker hätte ich eine Möglichkeit, die genannten Barben und Bärblinge aus Ceylon mit Fadenfischen aus ihrer Heimat zu vergesellschaften. Ich denke dabei an die großen und dekorativen, dennoch aber sehr friedfertigen Schaufelfadenfische (Trichogaster pectoralis), die in Sri Lanka in langsam fließenden und stehenden Gewässern vorkommen. Allerdings sind sie ebenso wie die Mocambique-Maulbrüter keine Alteingesessenen. Sie stammen ursprünglich aus Zentralthailand und Kambodscha und wurden in Ceylon wie auch auf der Malaiischen Halbinsel und auf Haiti Anfang dieses Jahrhunderts als Speisefische eingebürgert.
Über Süßwasserfische aus Ceylon wäre noch vieles zu schreiben. Duncker beschrieb 1912 bereits 76 gültige Arten, von denen 14 ausschließlich dort vorkommen. In der Zwischenzeit sind etliche weitere Arten beschrieben worden, unter anderem die vorhin angesprochenen Malpulutta kretseri und Rasbora vaterifloris. Ich hätte vielleicht noch auf die Halbhechte Xenentodon cancila hinweisen sollen, von denen ich in den brackigen Lagunen an der südceylonesischen Küste auf größere Schwärme traf, auf Riesenguramis und Glasbarsche, vor allem aber auf die Hechtlinge (Aplocheilus blochii und A. dayi), die auch mit den genannten Barben und Bärblingen zu vergesellschaften sind. Ich will meinen Bericht über Sri Lanka und ceylonesische Fische aber nicht ohne eine paar Bemerkungen zum Zoologischen Garten und dem ihm eingegliederten Aquarium schließen. Tierfreunde, die einen Nachmittag in Colombo Zeit haben, sollten auf keinen Fall den Besuch des Tierparks versäumen. Hier hat man Gelegenheit, einen landschaftlich besonders reizvollen Zoo zu sehen. Die Aquarien sind ein besonderer Anziehungspunkt für die Ceylonesen. Man kommt zunächst in einen abgedunkelten Raum. Jeweils zwei Großaquarien befinden sich in muschelartigen Nischen. Sie enthalten verschiedene Großfische Südostasiens: verschiedene Welse, über 1 Meter lange Schlangenkopffische, Riesenguramis und Barben. In den Seewasserbecken schwimmen Rotfeuerfische, Fledermausfische und vieles andere - alles herrliche, große Prachtexemplare.
Der Gang führt weiter zu einem großen, nur seitlich überdachten Halbrund mit einer Vielzahl von in die Wand eingelassenen Kleinaquarien. Neben vielen Seewassertieren (Langusten, Seesternen, Anemonenfischen und vielen anderen) findet man hier Aquarienfische aus aller Welt - vom Keilfleckbarben bis zum Segelflosser. Um diese Tiere zu sehen, brauchen wir aber nicht nach Ceylon zu reisen. Treten wir hinaus in den eigentlichen Zoo und genießen das, was diesen Tierpark von unseren heimischen unterscheidet: Das tropische Klima und die üppige tropische Vegetation! Auf die mit Klimaanlagen versehenen Glaskästen mit den Pinguinen und den trotz allem schwitzenden Eisbären werden wir nur einen mitleidigen Blick werfen - dafür kommen aber die anderen Tiere um so besser zur Geltung. Besonders die Reptilien danken dieses Klima durch sonst ungewohnte Lebhaftigkeit: gewaltige Ganges-Gaviale, Riesenschildkröten im Badeteich, Warane, Leguane, Schlangen ... riesige Gorillas und Orang Utans, die sich in großen Freianlagen richtig austoben können ... in den Gipfeln der mit Lianen und Epiphyten behangenen Urwaldriesen frei fliegende, laut kreischende Papageien, dort brütende Seidenreiher und Kormorane, herumturnende Streifenhörnchen ... wirklich ein Tropenparadies am Rande einer Großstadt, die ansonsten keineswegs in jeder Beziehung paradiesisch ist. * Leitwert 85 Mikrosiemens bei 30° C, pH 6,8. Die Bäche im Süden der Insel sind zumeist noch weicher und sauerer (10 bis 30 Mikrosiemens, pH 6,2 bis 6,7). Literaturhinweise: Duncker, G. (1912): Die Süßwasserfische Ceylons. Mitt. Naturhisl. Mus. Hamburg 29, 241 - 272. Geisler, R. (1967): Limnologisch-ichthyologische Beobachtungen in Südwest-Ceylon. Inl. Revue Ges. Hydrobiol. 52, 559-572. Vierke, J. (1977): Das Ablaichverhalten von Malpulutta kretseri. Aquarien-Magazin 504- 508.
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