Fischreisen - Dr. Fisch
 
 SUCHE:
 

Besucherzähler


»» Französisch-Guayana

Guaianacara_owroewefi1.jp...

 

Sattelfleckbuntbarsch Guianacara owroewefi

 
Fischbeobachtungen am Criq
ue Grand Laussat in Französisch-Guayana

© Dr. Jörg Vierke

Der Crique Grand Laussat liegt im Norden von Französisch Guayana. Alle im Bericht vorgestellten Fische sind im anschließenden Film in Aktion zu sehen. Die Unterwasseraufnahmen zeigen einige neue, bisher noch nicht bekannte Verhaltensweisen von den hier vorgestellten Fischen. Das betrifft den Guayana-Algensalmler Parodon guyanensis, über den nur sehr wenig bekannt ist, dann aber auch die Sattelfleckbuntbarsche Guianacara owroewefi, die hier in Kolonien brüten.

 

Der Crique Grand Laussat  gehört zum La Mana System.  Wir haben das kleine Flüsschen im Oktober 2008 besucht, und zwar in dem Bereich, wo er die N. 1 wenige Kilometer südwestlich unter einer Brücke quert. In diesem Crique und in einem kleineren Seitenbach, der hier direkt vom Süden einmündet, habe ich mit Kollegen und Freunden geschnorchelt, gefilmt und beobachtet.

Nannostomus_bifasciatus.j...  
Zweibinden-Ziersalmler Nannostomus bifasciatus  

Wie in fast allen Teilen Südamerikas gibt es auch hier Bodensalmler Characidium. Im Fischatlas von Guayana werden sie pauschal der Art fasciadorsale zugeordnet. Der Name ist aber mit Vorsicht zu genießen, die taxonomische Situation bei dieser Fischgruppe ist völlig unklar. Offenbar gehören die in diesem Crique vorkommenden Bodensalmler tatsächlich einer anderen Art an als die, die wir im Rio Amontabo in den Stromschnellen beobachtet haben. Jedenfalls hatten die im Crique Grand Laussat  angetroffenen Bodensalmler nicht das typische Zebrakleid, das die Montabo-Bodensalmler trugen!

Wie überall in Südamerika begegnet man hier einer ganzen Anzahl verschiedener Salmler-Arten. Ich will nur noch zwei Arten hervorheben. Da sind zunächst die Zweibinden-Ziersalmler Nannostomus bifasciatus. Diese Salmler kommen im Wesentlichen nur in den Guayana-Ländern vor. Der Name bedarf eigentlich keiner Erklärung. Über die gesamte Körperseite der Fische von der Schnauzenspitze bis hin zum Schwanzflossenansatz verlaufen zwei schwarze Längsstreifen, wobei der obere wesentlich schmaler ist.

Es fällt auf, dass die fast immer nur einzeln oder im Paar anzutreffen sind. Das ist ja eigentlich nicht salmlertypisch. Auch im Aquarium sollte man dieses Verhalten berücksichtigen. Die Männchen zeigten sich auch im Freiwasser richtig territorial.

Parodon_guyanensis2.jpg  
Guayana-Algensalmler Parodon guyanensis im Crique Grand Laussat
 

Auch der Guayana-Algensalmler Parodon guyanensis ist fast nur in den Guayana-Ländern anzutreffen. Die ausgesprochen lebhaften und schönen Tiere, haben im Normalfall eine Färbung, die man schon fast als identisch mit der Musterung der Zweibinden-Ziersalmler bezeichnen kann. Auch sie besitzen einen durchgehenden dunklen Längsstreifen der am Maul beginnt und im Schwanzflossenansatz endet. Darüber ein deutlich dünnerer Streifen parallel verlaufend. Im Unterschied zum kleineren Ziersalmler hat der Algensalmler jedoch einen auffallenden schwarzen Fleck im oberen Teil der Rückenflosse.

Die Parodon sind Fische, die sich bevorzugt in stark strömenden Zonen aufhalten. Ich sah sie häufig direkt in den Stromschnellen des Rio Armontabo. Ihr Körperbau und ihre segelartigen Brustflossen ermöglichen es, dass die Strömung sie regelrecht an die Unterlage drückt und so die sitzenden Tiere nicht abtreiben können.

Wie der Name schon ausdrückt, fressen die Algensalmler bevorzugt Aufwuchs. Sie schaben den aber nicht ab wie beispielsweise Saugwelse, sie picken gezielt zu. Die Nahaufnahmen im beigefügten Film zeigen das deutlich.

  Parodon_guyanensis.jpg
  Algensalmler Parodon guyanensis - vermutlich ein balzendes Paar

Über diese Guayana-Algensalmler ist in der Literatur so gut wie nichts finden, auch keine Fotos. Selbst die "fishbase" hat nur Zeichnungen! Es gibt keine Informationen zu Geschlechtsunterschieden, keine zum Fortpflanzungsverhalten.

Nun ein bisschen Spekulation! Das Foto rechts zeigt eine Situation, die auch im Film gezeigt wird: ein großer Algensalmler wird von anders gefärbten, kleineren Artgenossen begleitet und verfolgt. Der große Salmler trägt ein wirklich sehr auffallendes Farbmuster! Seine Längsstreifen haben sich fast völlig aufgelöst. Stattdessen sind auf der Seite jeweils drei dunkle Strukturen zu erkennen, die wie ein großes A aussehen (allerdings ohne den Querbalken des A!). Wenn man genau hinschaut, dann kann man erkennen, dass diese Strukturen auch in der Normalfärbung bei den Guayana-Algensalmlern unter dem mittleren Längsstreifen vorhanden sind.

Ich wurde bei dieser Verfolgung unwillkürlich an Panzerwelse erinnert, bei denen man in der Fortpflanzungsphase oft sehen kann, wie ein oder mehrere Männchen das größere Weibchen werbend verfolgen. Könnte das nicht ein Weibchen mit ein bzw. zwei kleineren Männchen sein?

In der Literatur habe ich keine Hinweise auf dieses hier erstmals dokumentierte Verhalten bei diesen Salmlern gefunden. Es fehlen auch Hinweise zu einem eventuellen Geschlechtsdimorphismus. Aber sicher ist: Es handelt sich bei den abweichend gefärbten Tieren um Guayana-Algensalmer derselben Art und es kann auch keine Nachtfärbung gewesen sein – das Ganze geschah bei vollstem Sonnenschein!

Hexenwels.jpg

 
Guayana-Hexenwels vom Crique Grand Laussat  

Auf dem Sandboden fanden wir gelegentlich Hexenwelse in der Strömung liegend, wunderschöne Tiere. Sie sind vermutlich den Hemiloricaria zuzuordnen. Anderen Quellen zufolge ist es  Rineloricaria stewarti. - Es gibt hier in Guayana eine Vielzahl sehr ähnlicher Formen, am besten sagt man einfach „Guayana-Hexenwels vom Crique Grand Laussat“.

Sehr interessant sind auch die Sattelfleck-Buntbarsche, die wir hier angetroffen haben. Sie werden der Art Guianacara owroewefi zugeordnet. Es gibt auch bei dieser Art je nach Herkunft etwas unterschiedlich gezeichnete Tiere, die Cichliden-Freunde sind bestrebt, die verschiedenen Standortvarianten isoliert zu halten. Bei dieser Art gibt es einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus. Die Weibchen bleiben wesentlich kleiner und zeigen ein vom Männchen abweichendes Farbmuster. Man kann das im Film deutlich sehen. Besonders schön sind die orange getönten Kiemendeckel der Weibchen.

 

Guianacara_owroewefi.jpg

  Sattelfleck-Buntbarsch-Mutter Guianacara owroewefi

Normalerweise ist die Lippenpartie bei beiden Geschlechtern unauffällig. Anders bei dem jungeführenden Weibchen. Wie auf den Fotos und im Film zu erkennen ist, sind ihre Lippen auffällig dunkelgrau gefärbt. Es sieht fast so aus, als wären sie kunstvoll geschminkt! Über den biologischen Sinn dieser Umfärbung kann man derzeit nur spekulieren.

Die Guianacara owroewefi benutzen hier Bruthöhlen die eng beieinander stehen. Sie sind also Koloniebrüter. Die Höhlen wurden in den Lehm des steilen Prallhangs gegraben, vermutlich von den Buntbarschen selbst. Bei Beunruhigung ziehen die Fische sich in die Höhlen zurück.

Dass es wirklich Bruthöhlen und nicht etwa Wohnhöhlen sind, kann man daran erkennen, dass die Höhlen paarweise bewohnt werden. Der Film zeigt eine Situation, wo ein Männchen seine Höhle verlässt, die dann umgehend vom Weibchen bezogen wird. Man darf vermuten, dass in der Höhle bereits Brut war.

Eine andere Szene zeigt ein Weibchen, das seine gerade freischwimmende Brut bewacht. Die Kleinen befinden sich direkt vor dem Höhleneingang auf einem quer davor liegenden Stock ruhend. Später schwimmen sie auf und zeigen, dass sie mit der durchaus deutlichen Strömung in diesem Bereich des Flüsschens ohne Probleme fertig werden.

Anmerkung: Alle hier gezeigten Fotos sind Unterwasseraufnahmen aus dem Crique Grand Laussat!

© Dr. Jörg Vierke


Hier der Film vom Crique Grand Laussat!

 


Welcher Zwergbuntbarschfreund will nicht wissen, wie seine bevorzugten Fische im Freiwasser leben? Der folgende Film zeigt einen Bach, der im Nordosten von Französisch Guayana neben Salmlern und anderen Buntbarschen auch Apistogramma gossei in seiner natürlichen Umgebung zeigt!

 


Viel ist über die folgenden Fische nicht bekannt. Der Gattungsname der brevispinis schwankt zwischen Guyanancistrus, Pseudancistrus und Lasiancistrus. Und die Rotaugen-Krobia, von denen hier eindrucksvolle Naturdokumente von der Brutpflege gezeigt werden, warten noch immer auf ihre wissenschaftliche Bearbeitung. Hier der UW-Film!


Vom Aquarium her ist dieser Buntbarsch ausreichend bekannt. Um so mehr freut man sich, wenn man die Tiere auch im Freiwasser sehen kann, auch wenn das Ganze hier nur eine flüchtige Begegnung ist: Cleithracara maronii, der Maroni-Buntbarsch

 


zurück zur Übersicht-Startseite