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Malpulutta kretseri, der Gefleckte Spitzschwanzgurami, Paarung

 

Das Ablaichverhalten von Malpulutta kretseri, dem Gefleckten Spitzschwanzgurami

©  Dr. Jörg Vierke

 

Die schlank gebauten Gefleckten oder Marmorierten Spitzschwanzguramis führen ein verstecktes Leben in Urwaldbächen und Tümpeln auf Ceylon (Sri Lanka). Das natürliche Verbreitungsgebiet dieser nur selten erhältlichen Art befindet sich im südwestlichen Teil der Insel, wo man die Fische in kleinen Bächen mit teilweise dichtem Pflanzenbewuchs antrifft.

Die braunrot gefärbten Tiere sind mit unregelmäßig verteilten dunklen Flecken besetzt. Ihre Bauchflossen sind hellblau, die unpaaren Flossen sind blau gerandet. Auffallender Schmuck des Männchens und sicheres Geschlechtsmerkmal ist ein fast körperlanger fadenartiger Fortsatz der zugespitzten Schwanzflosse. So kommt es, dass die Männchen eine Gesamtlänge von 9 cm erreichen – von der Maulspitze bis zum Ende des Schwanzflossenfadens! Die Weibchen erreichen dagegen gerade mal 4,5 cm.

 

Ein seltener Fisch für das Artaquarium

Man sieht diese Fische nur sehr selten im Fachhandel. Einfacher kommt man an kretseri über die Labyrinthfisch-Vereinigungen heran. Ich erhielt die Fische damals von Horst Linke. Auch hier nochmals besten Dank! Wie es sich für solche Fische gehört, wurden sie wie Kronjuwelen behandelt. Zu Hause kamen sie sofort in ein Extrabecken (40 x 20 x 27 Zentimeter). Diese Größe ist für ein Paar der kleinen Fische völlig ausreichend. Ich hatte es mit Schieferaufbauten, zwei Blumentopfhöhlen, verschiedenen Bodenpflanzen und mit Schwimmfarn sowie mit einer großen schwimmenden Moorkienwurzel ausgestattet. Die Temperatur lag bei 26° C, die Härte betrug 4,5° dGH, und der pH-Wert lag um den Neutralpunkt. Ich hatte mich warnen lassen, dass die Tiere überaus tüchtige Springer seien. Daher achtete ich peinlichst genau darauf, dass auch nicht der kleinste Spalt in der Aquarienabdeckung offen war.

 

Die ersten zwei Tage sah ich kaum etwas von meinen Neulingen. Sie waren sehr scheu; selbst wenn sie sich nicht in einem Höhlenversteck verkrochen hatten, musste ich oft lange suchen, um die tarnfarbenen, unbeweglich am Boden oder unter einem Pflanzenblatt verharrenden Tiere zu entdecken. Als Nahrung nahmen die Malpulutta alles Lebendfutter, das ihnen angeboten wurde: Cyclops, Wasserflöhe, Weiße und Schwarze Mückenlarven. Aber sie nehmen auch Trockenfutter.

 

Ich hatte die Tiere in tadellosem Zustand erhalten. Das kleinere Weibchen zeigte schon deutlich Laichansatz. Dennoch war ich erstaunt, die Tiere schon am dritten Tag bei der Paarung zu überraschen. Ich habe Malpulutta kretseri verschiedentlich genauestes beim Paarungsverhalten untersuchen können. Einige typische Besonderheiten zeigen eindeutig, dass sich das Paarungsverhalten dieser Art von dem der meisten Labyrinther unterscheidet. Nur mit dem der ebenfalls seltenen Parosphromenus – Arten zeigen sich deutliche, ja auffallende Übereinstimmungen, die neben morphologischen Merkmalen Anzeichen für eine nähere Verwandtschaft dieser Tiere sind.

 

Gelegentlich werden auch die Spitzschwanzmakropoden in die verwandtschaftliche Nähe zu Malpulutta gestellt. Aber nicht nur das völlig andere Paarungsverhalten, sondern auch die Ausdehnung der Dorsale (Malpulutta hat eine kurz ansetzende Rückenflosse, die Spitzschwanzmakropoden eine lang ansetzende!) spricht gegen eine solche Zuordnung. Daher gefällt mir die auch gelegentlich benutzte Bezeichnung „Ceylon-Zwergmakropode“ für Malpulutta nicht. Er ist schlicht irreführend!

 

Höhlenbewohner

Malpulutta kretseri, der Gefleckte Spitzschwanzgurami

Mein Männchen erkor sich regelmäßig die Blumentopfhöhle als Laichplatz. Unter ihrer Decke hatte er ein nicht besonders voluminöses Schaumnest errichtet. Er bevorzugte also eine Bruthöhle, obwohl er durchaus Gelegenheit gehabt hätte, sein Nest in der Nähe der Wasseroberfläche zwischen Schwimmpflanzen (Ceratopteris) und der schwimmenden Wurzel zu errichten.  In dieser Phase legt das Männchen sein Fleckenkleid fast vollständig ab, wie das Bild links zeigt. Seine Flossen behalten ihre Farbmuster, am Körper jedoch ist es nun fast einfarbig graubraun gefärbt.

 

Die Höhle war bald der bevorzugte Aufenthaltsplatz des Männchens. Wenn sich das Weibchen in der Höhle aufhielt, wusste ich, dass es mit der Paarung nicht mehr lange dauern konnte. Verschiedentlich zeigte das Männchen seiner Partnerin gegenüber ein seltsames Verhalten, das man wohl als Werbung ansehen muss. Es verließ seine Höhle und schwamm seinem Weibchen nur mäßig schnell entgegen. Während des Schwimmens nahm er bei waagerechter Körperhaltung mehr und mehr eine Seitenlage ein, so dass er sich am Schluss fast schon in Rückenlage befand. Ich konnte allerdings nicht erkennen, dass diese Balz, oder was immer dieses Verhalten zu bedeuten hatte, das Weibchen irgendwie beeindruckt hätte.

Malpulutta kretseri, der Gefleckte Spitzschwanzgurami

 

Wenn das Weibchen laichbereit war und in die Bruthöhlen zum Männchen schwamm, wurde es manchmal auch auf eine für Labyrinthfische recht seltsame Weise behandelt: Das Männchen drängte es mit der Kehle oder auch mit seinem in ihre Seite gedrückten Maul sanft aber nachdrücklich zu Boden, bis es flach auf der Seite dem Boden auflag. Hier konnte es wieder eine normale Körperhaltung einnehmen und verharren, während das Männchen seinen Geschäften unter dem Schaumnest nachging. Wenn wir den Fischen Gefühl und Vernunft unterstellen wollen, würden wir vermenschlicht sagen, das Männchen war wohl noch nicht ganz mit dem Nest fertig und wollte sich Platz verschaffen, ohne seine schon bald benötigte Partnerin all zu sehr zu erschrecken. Auch wenn den Tieren die Gründe nicht bewusst werden, so mag das durchaus der biologische Sinn dieses Verhaltens sein.

 

Ein ungewöhnliches Paarungsverhalten

Wie auch andere Kleinfische sind die Malpuluttas regelrechte „Taschenlampenfische“! Ohne dieses Zusatzlicht würde man viel verpassen! Kurz bevor ich die hier wiedergegebenen Fotos machte, bemerkte ich bei meiner täglichen morgentlichen Inspektion, dass Männchen und Weibchen sich wieder einmal gemeinsam in der Höhle aufhielten. Ich leuchtete die Tiere in der rechten dunklen Höhle mit der Taschenlampe an. Ob bereits Eier im Schaumnest waren? Sicher nicht, das Weibchen war noch laichvoll. Gerade stand das Weibchen direkt unter dem Nest, da begann das Männchen sie ganz schnell ruckartig zu umschwimmen. Zwei-, dreimal umkreiste es sie und drängte sie so zu Boden, ja, es schüchterte sie sogar soweit ein, dass sie die Höhle verließ. Sie blieb aber direkt am Eingang stehen. Jetzt fielen mir eine Vielzahl weißlicher Flecken an ihrem Körper auf, offenbar Bissverletzungen. Da die Flossen aber noch völlig unversehrt waren, machte ich mir nicht allzu große Sorgen. Leider konnte ich die Tiere nicht weiter beobachten.

 

Um 15.30 Uhr eilte ich wieder zum Aquarium. Tatsächlich waren die Tiere bereits voll im Laichgeschäft. Gerade sah ich, wie das Paar, das sich eben direkt unter dem Schaumnest umschlungen haben musste, wie verknotet langsam zu Boden sank. Erst beim zweiten Hinsehen erkannte ich, dass sich das Paarungsverhalten deutlich von dem aller der mir bisher bekannten Labyrinthfische aus der Familie der Belontiiden, zu denen ja auch Malpulutta gehört, unterschied: Sicher, auch hier umschlang das Männchen das S-förmig gekrümmte Weibchen derart, dass es seinerseits die Form eines U annahm. Anders aber als bei Betta, Trichopsis und den anderen Belontiiden hatte das Männchen seine Position nicht durch Umschwimmen der Partnerin so geändert, dass das U gewissermaßen umgekehrt ist. Es zeigte mit der Öffnung nach oben und blieb auch so liegen, als die langsam nach unten sinkenden Tiere den Boden berührten.

 

Nun lockerte sich die Umklammerung des Männchens; das Weibchen war frei. Es dauerte aber noch zehn Sekunden, bis sich das Weibchen ganz aus der Paarungsstarre gelöst hatte. Dann begann es sofort, in der Bucht des immer noch U-förmig gekrümmten Männchens die Eier aufzulesen, die ich jetzt erst entdeckt hatte. Die Laichkörner waren trübweiß gefärbt. Ein Ei nach dem anderen wurde sorgsam aufgepickt. Anschließend schaute sie auch noch am Boden direkt neben dem Gatten nach, ob nicht etwa noch Eier herabgerutscht wären.

 

Malpulutta kretseri, der Gefleckte SpitzschwanzguramiMalpulutta kretseri, der Gefleckte Spitzschwanzgurami

Das Einsammeln der Eier dauerte noch einmal 10 bis 20 Sekunden, in denen das Männchen bewegungslos am Boden lag. Dann erst erwachte es aus seiner Paarungsstarre. Zumeist schwamm es dann unter das Schaumnest oder zum Luftholen an die Wasseroberfläche. Währenddessen deponierte sein Weibchen die eingesammelten Eier im Schaumnest. Anschließend übernahm das Männchen die Versorgung des Laichs. Manchmal hatte es auch den Anschein, als suchte er noch nach eventuell am Boden liegenden Laichkörnern; aber niemals sah ich, dass er dabei Erfolg gehabt hätte. Nach wenigen Minuten begann eine neue Paarung. Die eigentliche Paarungseinleitung konnte ich nur schwer beobachten, da der obere Teil der Höhle geschlossen war. Offenbar ergriff dabei oft das Männchen die Initiative, indem es seinem Weibchen in die Schwanzflosse biss. Jedenfalls ging dieses Schwanzflossenknabbern den Paarungen fast regelmäßig voran. Die eigentliche Umschlingung entwickelte sich dann aus einem gegenseitigen Umkreisen der Partner.

 

Fast ebenso häufig wie die gerade beschriebene Art war ein unschwer davon abzuleitendes Paarungsverhalten. In vielen Fällen sanken die Tiere während der Umschlingung nämlich nicht zu Boden, sondern blieben direkt unter dem Schaumnest hängen. Wenn dann das Männchen die Umklammerung gelöst hatte, blieben die Laichkörner nicht in seiner Körperhöhlung liegen, da sein Schwanz und die Schwanzflosse dann schräg nach unten zum Boden zeigten. Nun begannen die trübweißen oder trübgelblich-weißen Eier  langsam eins nach dem anderen den Schwanz und die Schwanzflosse wie auf einer Rutschbahn herab nach unten zu kullern. Fast immer war das Weibchen bis zu diesem Augenblick schon so weit aus seiner Starre erwacht, dass es den Laich Ei für Ei vom Schwanzstiel oder von der Schwanzflosse aufsammeln konnte. Das Männchen verhielt sich in der ganzen Zeit fast unbeweglich still. Bei diesen Gelegenheiten war es auch möglich, die Anzahl der pro Paarung abgegebenen Eier zu zählen. Einmal ermittelte ich etwa 15 Eier, ein anderes Mal 8 und bei einer weiteren Gelegenheit nur 5.

 

 

Die Paarung zog sich volle eineinhalb Stunden hin; um 17.03 Uhr schwamm das Männchen wieder einmal zum Atmen an die Wasseroberfläche. Das Weibchen dagegen hatte bemerkenswerterweise während dieser Zeit nie die Bruthöhle verlassen.  Nun schwamm es dem zurückgekehrten Männchen entgegen. Direkt vor dem Höhleneingang geschah nun wirklich etwas Komisches. Im Abstand von nur etwa fünf Millimetern, direkt vor dem Kopf des gegenüberstehenden Gatten, machte sie mehrmals mit sehr schnellen Bewegungen das Maul auf und zu. Es sah aus wie ein Maschinengewehrfeuer von lauter Luft-Küsschen. Das Männchen dagegen hielt dieses Betragen keineswegs für komisch. Vermutlich fasste es die Maulbewegungen ganz zu Recht als Drohung auf. Es stürzte sich wie ein Wilder auf seine Gattin. Diese floh blitzartig in den äußersten Winkel des Aquariums. Nach kurzer, aber heftiger Jagd kam das Männchen wieder zu seiner Höhle zurück. Es war nun am ganzen Körper mit einem kräftigen schwarzen Scheckenmuster versehen. Dieses also war das plötzliche Ende der Paarungen.

 

Fünf Minuten später versuchte das Weibchen es noch einmal, sich der Höhle zu nähern. Wieder empfing es das sich ihm langsam nähernde Männchen mit diesen "Kussbewegungen", und wieder reagierte der Gatte auf dieselbe Weise wie vorher. Seit dieser Zeit blieb das Weibchen in genügender Entfernung von der Höhle, während das Männchen den Laich bewachte, oder vielmehr das, was ich davon übrig gelassen hatte. Nach dem Motto "Sicher ist besser" saugte ich noch am späten Abend einen Großteil der Eier aus der Höhle ab und überführte sie in ein Extrabecken. Das erwies sich als gut, denn von den in der Höhle verbliebenen Eiern habe ich nichts mehr gesehen, obwohl das Männchen so tat, als hätte es nichts von dem Eierdiebstahl bemerkt. Bei einer weiteren Gelegenheit hat es seinen Laich jedoch vorbildlich gepflegt. Als die Jungen allerdings freischwammen, gingen sie dann sehr schnell verloren. In wessen Magen sie gelandet sind - in dem des Vaters oder in dem der Mutter - ist mir allerdings nicht klar.

 

Aufzucht ohne große Probleme

Von den abgesaugten Eiern waren am Mittag des folgenden Tages 29 verpilzt. Ich suchte die verdorbenen Eier heraus und gab zu den übriggebliebenen Laichkörnern ein Mittel gegen Laichverpilzung. Die Wasserwerte waren noch die Malpulutta kretseri, der Gefleckte Spitzschwanzgurami, Paarunggleichen wie die eingangs angegebenen.

 

Die ersten Larven sprengten die Eihüllen am Morgen des 14. Juni. Am Abend dieses Tages waren alle geschlüpft. Einen weiteren Tag später hatten die Larven sich mit ihren Haftdrüsen an der Plexiglaswand des Zuchtbeckens angeheftet. Unter dem Mikroskop konnte man wie auch schon am Vortag ausgezeichnet sehen, wie das Herz das bereits rotgefärbte Blut durch die Adern trieb. Die Augen waren nun schon fertig ausgebildet.

 

Die Jungtiere sollen bereits sofort nach dem Freischwimmen frischgeschlüpfte Artemia-Nauplien fressen. Ich verfütterte diese Larven, kann aber nicht mit Sicherheit sagen, ob sie sich nicht doch in der ersten Zeit nur von den im Becken lebenden Infusorien ernährt haben, die ich mit den Schwimmblättern des Schwimmfarns ins Aufzuchtbecken gegeben habe. Unter und in diesen Blättern versteckten sich die nun heranwachsenden Jungfischchen genauso perfekt, wie es ihre Eltern konnten. Bei der nächsten Gelegenheit beließ ich die Brut bei ihrem Vater. Er bewies mir, dass seine Fähigkeiten bei der Brutpflege die meinen bei weitem überstiegen. Wenige Tage später konnte ich ca. 50 Jungfische abschöpfen, die sich von Vater und Mutter völlig unbehelligt direkt unter dem Wasserspiegel tummelten. Sie waren mit Artemia-Nauplien problemlos aufzuziehen.

 

Nachsatz: die gelegentlich zu findende Schreibweise "kretzeri" anstelle von kretseri ist falsch!

 

©  Dr. Jörg Vierke


 

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