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Der Goldene Prachtbarsch Pelvicachromis roloffi
© Dr. Jörg Vierke
Lange Jahre hatte ich ihn vergeblich gesucht: den als Goldenen Prachtbarsch bezeichneten Pelvicachromis roloffi. Bereits in den sechziger Jahren hatte sein Entdecker, Erhard Roloff, einige dieser Fische nach Europa gebracht und sie in geringer Anzahl auch nachgezüchtet. Die ersten genaueren Berichte über diese 1968 von Thys beschriebene Art finden wir erst in den siebziger Jahren. Da die Nachzuchten offenbar extrem schwierig und unergiebig waren, waren diese Prachtbarsche nicht für Geld und nicht für gute Worte zu bekommen.
Die Goldenen Prachtbarsche stammen aus dem westafrikanischen Staat Sierra Leone und den angrenzenden Gebieten Liberias und Guineas. Man findet sie dort vorwiegend in kleinen Bächen, die Plantagen oder Busch- und Waldgebiete durchziehen. Dabei bevorzugen sie pflanzen- und wurzelreiche Zonen im Uferbereich. Das Wasser ist sehr weich, schwach sauer und erreicht gelegentlich Temperaturen von über 30° C.
Natürlich vergleicht man eine ausgefallene Art zunächst gern mit schon bekannten aus dem gleichen Verwandtschaftsbereich. In diesem Fall bietet sich in erster Linie die altbekannte Art P. pulcher an, die die meisten Aquarianer kennen. Ich will ehrlich sein: bei einer Schönheitskonkurrenz würden objektive Bewerter dem pulcher den Preis geben. Auch wenn man die Anspruchslosigkeit oder allgemein die aquaristische Eignung werten wollte, müsste man sich sicher für die alteingesessene Art entscheiden. Aber lebt ein Hobby nicht auch von der Vielfalt und von der Faszination des Neuen? Wenden wir uns also den roloffi zu!
Es ist schon Jahre her, da erhielt ich die vorgestellten Fische von Heiko Bleher. Auch an dieser Stelle herzlichen Dank dafür! Leider ging es mir, wie den meisten anderen Aquarianern auch: man hat nie genug Platz für all die Fische, die man gerne unterbringen möchte. Natürlich hätte ich für die roloffi ein separates Zuchtbecken gebraucht. Platznot führte mich dazu, die Zwergbuntbarsche zunächst mit Maulbrütenden Kampffischen zu vergesellschaften. Ich halte empfindliche Fische wie diese vorzugsweise in einem Gemisch von Regenwasser mit wenig Leitungswasser. Ich erhalte unter den örtlichen Bedingungen dann ein Wasser von etwa 150 µS und einem pH-Wert von etwa 6,6. Die Temperaturen schwanken bei meinen Fischen in der Regel im Bereich zwischen 24 und 26° C.
Als Bruthöhle legte ich eine Tonröhre auf den Boden, die auch später allen Stein- und Kunsthöhlen vorgezogen wurde. Sie hatte einen Durchmesser von 4 cm und war 20 cm lang. Nach hinten hin war sie geschlossen. Auch andere Zwergbuntbarsche und Antennenwelse bevorzugen diese Höhlen. Sie haben neben dem unnatürlichen Aussehen leider auch den Nachteil, dass die Eier so weit hinten an die Höhlenwände geheftet werden, dass man keine akzeptablen Fotos von ihnen machen kann.
Das Aussehen der Fische wird am besten durch die beigefügten Fotos dokumentiert. In der Körperform ähneln die Tiere Pelvicachromis pulcher, sind aber etwas kompakter und die Schwanzflosse der Männchen bleibt auch im Alter abgerundet. Im Gegensatz zum pulcher endet der dunkle Körperlängsstreifen jedoch vor dem Beginn der Schwanzflosse wie bei subocellatus. Die Mehrzahl der von Roloff abgebildeten Tiere hatten an der Basis der Rückenflosse eine Folge dunkler Flecken, dazu mehr oder weniger viele Flecken im basalen Teil der Schwanzflosse. Meine Tiere, die Wildfänge wie auch die Nachzuchten, zeigten keine Rückenflossenflecken und besaßen stets nur einen schwarzen Basalfleck in der Schwanzflosse.
Die Geschlechter sind ziemlich leicht zu unterscheiden. Wie auch bei den anderen Prachtbarschen sind hier die kleineren Weibchen farbenprächtiger als die Männchen. In Laichstimmung können die Weibchen kräftig violett gefärbte Bauchpartien zeigen. Die Kopfunterseite und die Schwanzflosse sind goldgelb und - als besonders auffallendes, arttypisches Merkmal - sind die großen Bauchflossen zeitweise tiefschwarz gefärbt. Auch die Männchen können goldgelb gefärbte Schwanzflossen haben - offenbar beschränkt sich diese Farbe aber immer nur auf die obere Flossenhälfte.
Wie oben angedeutet, musste ich meine roloffi zunächst mit anderen Fischen vergesellschaften. Ich hielt sie hier gewissermaßen in "Parkstation", später wollte ich sie zur Zucht ansetzen. Ich war sehr überrascht, als ich bei einer meiner Routinekontrollen etwa 30 orangerote Eier im hintersten Teil der Höhle unter der Decke kleben sah, als ich mit der Taschenlampe hineinleuchtete. Das Weibchen war so eifrig bei der Pflege, dass es kaum aus der Höhle herauswollte. Mir war klar, dass die Brut sicher nicht in Gegenwart der anderen Fische groß werden würde. Andererseits wollte ich auch nicht all die anderen Fische herausfangen. Was tun? Inzwischen hatte ich ein Zuchtbecken für diese Art hergerichtet. Das Wasser hatte ich zum größten Teil direkt aus dem Aquarium abgesaugt, in dem die roloffi vergesellschaftet waren. Ich hob die Höhle samt dem Gelege und dem pflegenden Weibchen aus dem Aquarium und überführte es in das andere Becken. Da die Höhle hinten geschlossen und somit wasserdicht war, war die Überführung eine völlig problemlose Angelegenheit.
Ich hatte es gehofft, aber ich wäre überrascht gewesen, wenn das Weibchen jetzt weitergepflegt hätte! Zwar blieb die Prachtbarsch-Mutter zunächst noch im Versteck bei der Brut, aber als ich nach einigen Stunden nachschaute, hatte sie die Höhle endgültig verlassen.
Ein Großteil der Eier lag am Höhlenboden.
Man soll nie zu früh aufgeben. Ich überführte den etwa einen Tag alten Laich in ein Weckglas, gab zwei Krümel Kaliumpermanganat zur Desinfektion hinzu und durchlüftete. Die Larven schlüpften, sie begannen freizuschwimmen, frischgeschlüpfte Artemien und später Enchyträen zu fressen. Ergebnis dieser Aktion: drei Männchen und vier Weibchen.
Monate waren vergangen. Leider starben die beiden Importweibchen innerhalb kurzer Zeit. Das Männchen blieb aber nicht lange alleine, denn einige seiner Töchter waren überraschend schnell herangewachsen. Ich setzte zwei dieser Fische zum Vater in das Zuchtbecken. Das Futter bestand aus grobem Tümpelplankton und Enchyträen. Jetzt wollte ich das Fortpflanzungsverhalten dieser Fische genauer beobachten.
Bei der Balz erwiesen sich die Weibchen eindeutig als das aktivere Geschlecht: ich hatte in den entgegengesetzten Ecken des Aquariums zwei Höhlen aufgestellt. Die Weibchen hielten sich vorzugsweise in der Höhle auf. Sie waren einander spinnefeind und oft jagte das dominierende Weibchen seine Schwester. Anfangs dominierte das etwas kleinere, aber weit laichvollere Weibchen, nach dem Ablaichen änderte sich das. Um den Frieden und die Aufzucht der Jungen nicht zu gefährden, beendete ich die Szenen durch Herausfangen der rebellierenden Schwester.
Zurück zur Balz! Sobald sich das Männchen einem Höhleneingang näherte, wurde es vom Weibchen begrüßt und umworben. Oft schwamm es heraus, stellte sich quer vor dem Männchen auf und präsentierte seinen nun tiefviolett gefärbten Bauch. Das Ganze war von ruckartigen Bewegungen des Kopfes und des ganzen Vorderkörpers begleitet. Balzende Weibchen hatten immer pechschwarz gefärbte Bauchflossen. Der dunkle Längsstreifen war jetzt deutlich ausgeprägt. Darüber befand sich ein auffallender goldgelber Parallelstreifen.
Wenn man das Objekt dieser Aufregung betrachtete, konnte man all die Anstrengungen der Weibchen kaum verstehen. Das blass gefärbte Männchen hatte als einzige Zeichnung einen schwarzen, goldgelb eingefassten Kiemendeckelfleck. Aber es kurvte ständig interessiert im Bereich der Höhlen herum. Das war für mich wie für die beiden Weibchen ermutigend.
Einen Tag später hatte sich das Bild kaum geändert. Das dominierende Weibchen hatte allerdings seine Färbung intensiviert. Der schwarze Längsstreifen war fast verschwunden, der Bauch nun aber dunkelviolett, fast schwarz. Noch weitere drei Tage lockte das Weibchen, immer intensiver. Weit wurde der leuchtende Bauch dem Männchen entgegengebogen, das ganze begleitet von heftigem Kopfschütteln. Die Rüttelbewegungen von Kopf und Vorderkörper gingen jetzt immer häufiger in ritualisierte Putzbewegungen über: Die Höhlendecke wurde symbolisch gereinigt und für die Eiablage vorbereitet. Das fand direkt im Höhleneingang statt, das Weibchen war nur bereit, die Höhle zu verlassen, wenn ich ihm leckere Enchyträen reichte.
Die eigentliche Paarung muss sich tief im Inneren der Höhle abgespielt haben. Ich habe sie leider verpasst, da ich verreisen musste. Als ich wiederkam, war die Decke im hinteren Teil der Höhle mit orangefarbenen Eiern übersät. Die Brutpflege unterschied sich nicht von der bei pulcher. Es war leider nur schwer zu sehen, was sich in der Tiefe der Tonröhre im Einzelnen abspielte. Als das Weibchen zum ersten Mal vor der Höhle mit seiner Brut erschien, musste das Männchen herausgefangen werden. Es wurde von der pflegewütigen Mutter zu unerbittlich gejagt.
Es war unmöglich, die genaue Zahl der Jungen zu ermitteln, zumal die Mutter sie vorzugsweise in den von mir nur schlecht einzusehenden Teilen des Zuchtbeckens herumführte. Es waren etwa hundert Jungtiere, die sofort an frischgeschlüpfte Artemia-Nauplien gingen. In den ersten Tagen hielten die Kleinen sich fast nur direkt am Boden auf, sie schienen direkt über den Grund zu rutschen. Die Mutter lockte ihre Brut durch seitliches Rucken mit dem Kopf. Daraufhin kamen die Kleinen regelrecht angeströmt, als sei der Boden in Bewegung.
Die Fressbewegungen der Kleinen waren seltsam. Wenn sie nach einem am Boden zappelnden Salzkrebs schnappten, musste man den Eindruck haben, als wollten sie bei der Gelegenheit gleich tief in den Bodengrund eindringen! Vielleicht ist dieses Verhalten bei der Aufnahme von im Substrat lebender Wurmnahrung sinnvoll. Später zeigte es sich, dass sie früh auf die Lieblingsnahrung ihrer Eltern umzustellen waren, auf Enchyträen. Zunächst verfütterte ich sie als Mus. Man zerschneidet die Würmer hierzu auf einem Stück Pappe mit einer Rasierklinge. Etwa einen Monat alte Jungroloffi fraßen sie aber lieber unzerschnitten. Auch die weitere Aufzucht erwies sich als erfreulich unproblematisch.
© Dr. Jörg Vierke
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