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Zur Systematik, Pflege und Zucht von Pseudosphromenus dayi

© Dr. Jörg Vierke
Früher wurden die Roten Spitzschwanzmakropoden zur Gattung der Makropoden gestellt - daher auch der deutsche Name. Da sie damals auch noch als Unterart der Schwarzen Spitzschwanzmakropoden angesehen wurden, nannte man sie folgerichtig „Macropodus cupanus dayi". 1975 konnte ich zeigen, dass es sich bei den beiden Spitzschwanzmakropoden um eigenständige Arten handelt, die mit „Macropodus" nur sehr wenig gemein haben. Daher kam es zur Wiedereinsetzung des Gattungsnamens Pseudosphromenus, der erstmals 1879 von Bleeker benutzt wurde.
Fotos links und unten links: Rote Spitzschwanzmakropoden Pseudosphromenus dayi


Schwarzer Spitzschwanzmakropode P. cupanus (Männchen)
Unterschiede zum Schwarzen Spitzschwanzmakropoden
Auch wenn es in den Flossen- und Schuppenformeln der zwei Arten große Übereinstimmungen gibt, sind die Arten leicht zu unterscheiden. Bestes Unterscheidungsmerkmal sind zwei schwarze parallele Körperlängsstreifen, die die Roten Spitzschwanzmakropoden sehr häufig zeigen. Danach wurden sie früher auch vielfach als „Gestreifte Spitzschwanzmakropoden" bezeichnet. Beim Schwarzen Spitzschwanzmakropoden kann man nur ausnahmsweise einmal einen Körperlängsstreifen sehen. Außerdem ist die Schwanzflosse der P. cupanus wohl zugespitzt, niemals aber auch nur annähernd so lang und fadenartig verlängert wie bei P. dayi. Und ein letzter Unterschied: Der cupanus ist etwas kompakter gebaut als dayi - der Vergleich der Fotos (oben) zeigt das deutlich.
Auch im Balzverhalten der beiden Arten gibt es klare Unterschiede. Das bewirkt, dass in der Natur Fremdverpaarungen und damit die Zeugung von Bastarden weitgehend ausgeschlossen sind. Gerade das Balzverhalten der beiden Spitzschwanzmakropoden unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt grundsätzlich. Die Weibchen beider Arten verstehen es, die Aggressionen ihrer Partner zu dämpfen, indem sie bestimmte Körperhaltungen einnehmen. Das fast laichwillige, aber noch nicht völlig laichbereite Weibchen von P. cupanus nimmt dazu eine arttypische Kopfuntenstellung ein, die fast bis zum Kopfstand gehen kann. In dieser Stellung wird das Weibchen oft vom Männchen in engen Kreisen ruckartig umschwommen, es wird aber nicht direkt angegriffen. Die Besänftigungsgeste des P. dayi ist genau entgegengesetzt. Wenn das Männchen sich nähert, nimmt das bedrängte Weibchen eine arttypische Kopfobenstellung ein. Dabei zeigt es mit den Bauchflossen oft zuckende Bewegungen. Ein Umkreisen, wie man es bei cupanus beobachtet, habe ich bei P. dayi nie gesehen.
Ein ausführlicher, bebilderter Bericht zum Fortpflanzungsverhalten des Schwarzen Spitzschwanzmakropoden (P. cupanus) ist auf meiner Seite Fischverhalten. Hier der Link zum entsprechenden Bericht!
Zur Herkunft der Roten Spitzschwanzmakropoden
Es wurde und wird viel über die natürlichen Vorkommen der Roten Spitzschwanz-Makropoden in der Literatur spekuliert. Die Angaben reichen von Vorderindien über Birma und die Malaiische Halbinsel bis nach Vietnam. Das ist eigentlich erstaunlich; denn DAY hat die Art so unmissverständlich beschrieben, dass es über die Herkunft keinen Zweifel geben kann. Das einzige sichere Gebiet, in dem die Art vorkommt, ist die Südwestküste Vorderindiens, die sogenannte Malabarküste. Fraglich ist allerdings, ob der Rote Spitzschwanzmakropode mit P. cupanus sympatrisch lebt, oder ob die Heimatgebiete beider Arten insofern getrennt sind, als dass die Art dayi auf die Malabarküste und die Art cupanus auf die Koromandelküste und Sri Lanka (Ceylon) beschränkt bleibt. Die letzte der beiden Möglichkeiten halte ich für weniger wahrscheinlich. - Die ersten Tiere wurden übrigens 1907 von der Berliner Firma Scholze & Pötzschke eingeführt. Sie kamen aus Cochin, also von der Malabarküste.

Gern suchen Spitzschwanzmakropoden Deckung unter Überhängen oder Blättern. Hier werden gern auch die Schaumnester errichtet.
Die falschen Herkunftsangaben für Hinterindien erklären sich alle aus Verwechslungen mit Prachtzwergguramis (Parosphromenus). Die Roten Spitzschwanzmakropoden wurden und werden immer noch mit diesen Fischchen verwechselt. Natürlich ist es naheliegend, die Namen Pseudosphromenus und Parosphromenus zu verwechseln. Googeln Sie mal nach "Parosphromenus dayi", Sie werden staunen!! Kein Wunder, dass in alten Aquarienzeitschriften früher hitzig geführte Debatten über die korrekte Artbestimmung der dayi geführt wurden!
Fische für das Nanoaquarium
Ein paar Worte zur Haltung und Zucht des Roten Spitzschwanzmakropoden. Die Tiere sind schon mit kleinen Aquarien zufrieden. Gerade im Miniaquarium verlieren sie oft ihre Scheu. Man kann sie dann als wirklich attraktive Fische bezeichnen. Ich habe sie mit Honigfadenfischen Colisa chuna vergesellschaftet und mit dieser Kombination die besten Erfahrungen gemacht.
Die Roten Spitzschwanzmakropoden gehören zu den besonders friedlichen Fischen. Ihre Ansprüche an das Wasser und das Futter sind gering. Allerdings sollte man die Temperaturen nicht unter 24 Grad Celsius sinken lassen, und wer züchten will, sollte Lebendfutter reichen. - Auf eine Durchlüftung verzichte ich in aller Regel bei der Labyrinthfisch-Haltung! Da die Tiere mit einem Atmungsorgan für die Veratmung atmosphärischer Luft ausgestattet sind, ist eine zusätzliche Luftversorgung überflüssig. Vor allem aber ist den meisten Labyrinthfischen die Wasserbewegung unangenehm und trägt dazu bei, dass die Schaumnester leicht zerstört werden. Lediglich bei der Aufzucht der Jungfische ist eine feinperlige, leichte Durchlüftung gelegentlich ganz angebracht.
Fortpflanzungsverhalten und Hinweise zur Zucht
Die Unterscheidung der Geschlechter ist oft nicht leicht. Bei völlig ausgewachsenen Tieren zeichnen sich die Männchen dadurch aus, dass sie länger ausgezogene Rücken- und Afterflossenspitzen haben. Vor allem die bei beiden Geschlechtern vorhandenen verlängerten Mittelstrahlen der Schwanzflosse sind bei alten Männchen länger. Laichvolle Weibchen haben darüber hinaus eine typische, unregelmäßig aufgehellte Seitenpartie.

Bei der Paarung umschlingt das dayi-Männchen seine Partnerin unter dem Schaumnest
Zur Zucht setzen wir ein Paar am besten allein und versorgen die Tiere gut mit abwechslungsreichem Tümpelfutter. Mückenlarven, besonders die Schwarzen und die Weißen, regen die Laichwilligkeit besonders gut an. Ein 20-Liter-Aquarium ist zur Zucht völlig ausreichend. Es sollte aber zumindest stellenweise dicht bepflanzt sein, möglichst auch Wurzelunterstände und Steinhöhlen besitzen.


Zu den Bildern oben: links die Paarungsschlinge, rechts erscheinen gerade die weißen Laichkörner. Sie rieseln zu Boden, da sie schwerer als das Wasser sind (Sinkeier).
Das Männchen baut ein Schaumnest. Das kann an allen nur denkbaren Orten errichtet werden. Gern wird es sein Nest unter einem Höhlendach angelegt. Das kann eine Blumentopfhöhle oder eine unter Steinplatten errichtete Höhle sein. Oft wird auch unter Wurzelunterständen abgelaicht. Manchmal tragen die Männchen ihre Schaumblasen auch unter den waagerecht stehenden Blättern von Cryptocorynen zusammen und nicht selten werden die Nester direkt an der Wasseroberfläche gebaut, dann aber mit Vorliebe unter Schwimmblättern.
Wenn man im Zuchtaquarium Bodengrund nehmen möchte, sollte man sich für feinen Sand entscheiden. Bei Kies oder Lavalit-Böden geht uns die Brut mit großer Wahrscheinlichkeit ganz oder teilweise verloren. Die Pseudosphromenus-Arten gehören wie die Fische aus den Gattungen Betta und Trichopsis zu den Formen, deren Eier schwerer als Wasser sind. Sie sinken daher nach der Abgabe zu Boden. Anschließend sammelt das Männchen, oft vom Weibchen unterstützt, die Eier auf. Viele haben dann bereits den Boden erreicht. Dann rutschen die Eier in Becken mit Kiesabdeckung in das Lückensystem der Steinchen und sind für die Eltern nicht mehr erreichbar. Das gilt auch für die noch nicht schwimmfähigen Larven, die leicht aus dem Schaumnest zu Boden fallen. Normalerweise werden sie aber vom Vater immer wieder aufgesammelt und zurück ins Nest verbracht..
Bei der Balz zeigen die Tiere, dass Labyrinthfisch-Männchen ihre Weibchen auch regelrecht zart behandeln können. Die Weibchen werden nicht gejagt! Wenn die Fische so weit sind, umschlingen sie sich direkt unter dem Schaumnest. Die bis zu 300 Eier werden schubweise abgelegt, pro Paarungsvorgang etwa 20 Stück. Da die milchigweißen Eier schwerer sind als Wasser, sinken sie zu Boden. Das ist ein wichtiger Unterschied bei den Gattungen Pseudosphromenus und Macropodus.
Auch beim Einsammeln des Laichs erweisen sich die Spitzschwanzmakropoden als friedliche Fische. Hierbei können sich beide Geschlechter beteiligen. Die Eier werden ins Maul genommen, dort eingespeichelt und dann an die Schaumblasen des Nestes regelrecht angeklebt. Nach Beendigung des Laichgeschäftes übernimmt allerdings der Vater die alleinige Pflege.
Nach etwa eineinhalb Tagen schlüpfen die Larven. Sie sind dann 2,2 mm lang und hängen in der ersten Zeit, mit den Schwänzen nach unten zeigend, an den Blasen des Schaumnestes. Das ermöglichen die kleinen Haftdrüsen, welche die Larven in der Kopf- und Nackenregion haben. Am dritten Tag nach der Eiablage schwimmen die Jungen bereits frei und nach weiteren zwei Tagen können sie schon frischgeschlüpfte Artemia-Nauplien fressen. Spätestens jetzt sollten wir die Eltern herausfangen, denn sie könnten sich an der eigenen Brut vergreifen. Die weitere Aufzucht Roter Spitzschwanzmakropoden ist kein Problem. Die Jungen können unter günstigen Umständen schon nach drei Monaten zuchtfähig sein.

Rote Spitzschwanzmakropoden Pseudosphromenus dayi bei der Paarung unter dem Schaumnest. In diesem Moment treten die trübweißen Eier aus! Sie schimmern deutlich durch die transparente Afterflosse des Männchens. Auch im Schaumnest erkennt man zahlreiche Laichkörner. Eher eine Ausnahme: Ein einzelnes Ei liegt oben auf dem Blatt!
Literatur:
DAY (1889): The Fauna of British India, Fishes, Vol. 11, 368/369.
LIEM (1963): The comparative osteology and phylogeny of the Anabantoidei, 1 -149. Univ. 111. Press, Urbana.
VIERKE (1975): Beiträge zur Ethologie und Phylogenie der Familie Belontiidae. Z. Tierpsych. 38, 163-199.
© Dr. Jörg Vierke
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