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»» Schnorcheln - MittelmeerSchnorcheln im Mittelmeer © Dr. Jörg Vierke
![]() Felsenküsten sind gerade das Richtige zum Schnorcheln! Wer als Aquarianer seine Freude an der Unterwasserwelt hat, wird sicher gern jede Gelegenheit wahrnehmen, ihr auch unter Wasser hautnah zu begegnen. Sehr viele Aquarianer haben bei ihrem Mittelmeer-Urlaub die Gelegenheit, einen Blick in Neptuns Reich zu werfen, auch ohne sich sportlich zu engagieren: vielerorts kann man an Rundfahrten mit modernen Glasbodenbooten teilnehmen. Weit mehr hat man von der Unterwasserwelt, wenn man sich Schnorchel, Tauchermaske und Flossen (ABC-Ausrüstung) besorgt und sich auf eigene Faust im Meer umsieht. Jetzt beginnt das Baden am Mittelmeer eine ganz neue Qualität zu gewinnen. Jeder nur halbwegs sportliche Schwimmer hat es sich nach kurzer Zeit selbst beigebracht, wie man mit seiner ABC-Ausrüstung ohne Anstrengung auf dem Wasser liegend oder nur langsam mit den Flossen schlagend das Leben unter Wasser beobachten kann. Für die ersten Versuche empfiehlt sich ein sonniger Tag mit nur wenig Seegang. Die ABC-Ausrüstung ist nicht sonderlich teuer, aber man sollte sich hüten, Kinderspielzeug zu kaufen! Die Masken müssen gut sitzen. Am besten überprüft man das beim Kauf: Maske andrücken und mit der Nase ein bisschen einatmen. Jetzt sollte die Maske durch den leichten Unterdruck ans Gesicht gepresst werden, also kleben bleiben. Auch sollte man beim Kauf darauf achten, dass die Maske auch die Nase einschließt. Dieses ist sehr wichtig für den Fall, dass man später von der Oberfläche aus mal einem Fisch nachtauchen möchte. ![]() Von den eigentlichen Schleimfischen unterscheiden sich die oft prächtig gefärbten Dreiflossen-Schleimfische oder Spitzkopf-Schleimfische (Tripterygiidae) durch ihre erste Rückenflosse, mit der sie bei Erregung häufig zucken. Bei Gefahr verschwinden sie im Gegensatz zu Schleimfischen nicht in Höhlen. Gelegentlich werden noch Tauchermasken angeboten, die gleich einen Schnorchel angebaut haben. Oft ist dieser Schnorchel nach oben hin noch durch einen Ball verschließbar. Es handelt sich bei diesen Tauchermasken um lebensgefährliches Spielzeug, das eigentlich verboten werden müsste. - Noch etwas sollte verboten werden: Harpunen. Leider findet man im Mittelmeer noch viele Schnorchler und sogar einige Taucher, die mit Harpune jagen. Auf diese Weise wurden in den vergangenen Jahrzehnten ganze Meeresabschnitte leergefischt. Lassen Sie bitte die Harpunen in den Läden verschimmeln, es ist keine Leistung, Fische oder Kraken mit Harpunen zu erlegen. Wer mit seiner ABC-Ausrüstung schnorchelnd am Strand herumpaddelt, vergisst oft die Zeit. Schon mancher hat sich bei dieser Gelegenheit, fasziniert von dem Neuen, was es zu entdecken gibt, einen kräftigen Sonnenbrand geholt. Wer vorsichtig ist, sollte seinen Rücken durch ein T-Shirt schützen. Besonders Vorsichtige bringen sich von zu Hause Gummihandschuhe mit, wie sie zum Geschirrspülen gebraucht werden. Sonst kann es schon mal geschehen, dass man sich beim Schnorcheln zwischen den Felsen an den Händen verletzt. Was alles kann man beim Schnorcheln sehen? Am Sandstrand ist es meist wenig ergiebig. Besser, man schwimmt schnorchelnd die Felsküsten ab, die fast überall am Mittelmeer anzutreffen sind. Es braucht nicht betont werden, dass dieses nur ein Unterfangen für Tage mit schwächerem Wellengang ist. Die Farbigkeit der Unterwasserweit begeistert jeden der sie sieht. Hier gibt es eine rote Seescheide, dort die leuchtend gelb gefärbten Polypen einer Krustenanemone, dazu braune, leuchtend rote oder auch blaue Schwämme. Neben diesem tierischen Bewuchs gibt es aber auch Pflanzen in den oberen Schichten des Mittelmeeres. Es sind vor allem verschiedene Braunalgen, aber auch krustenartig wachsende Kalkrotalgen und manche Grünalgen. Im Flachwasser, meist zwischen Steinen gut verankert, leben die großen Wachsrosen. Diese zu den Seeanemonen zählenden Hohltiere gehören wegen ihrer Größe und der Unfähigkeit, ihre Tentakel einzuziehen, zu den auffälligsten Tieren vieler Küstenzonen. Die oft über hundert Tentakeln der Wachsrose sind manchmal intensiv grün gefärbt. Die Farbe rührt von mikroskopisch kleinen Algen her, die symbiontisch im Inneren der Zellen der Wachsrose leben. Beide Partner, die Wachsrose wie auch die Algen, profitieren von dieser Art des Zusammenlebens: Die Algen nutzen die Atmungskohlensäure des Tieres und sind überdies vor Fressfeinden weitgehend geschützt. Die Seeanemone lebt von den Photosyntheseprodukten (Zucker, Stärke) der Algen und nutzt den von ihnen freigesetzten Sauerstoff. ![]() Der orangene Einsiedlerkrebs Dardanus arrosor benutzt ein leeres Schneckenhaus als tragbare Höhle. Er schützt so seinen zarten, verletzlichen Hinterkörper. Nachteil: mit zunehmender Größe muss der Krebs sich ein geräumigere Schneckenschale suchen und umziehen. Oft leben diese Krebse mit Aktinien zusammen, die sie sich auf das Schneckenhaus setzten. Die Wachsrosen haben in ihren Tentakeln Nesselzellen, die bei Berührung unangenehm brennen können. Als Schnorchler wie auch als Taucher sollte man es sich angewöhnen, möglichst wenig Hautkontakt mit den Meeresbewohnern aufzunehmen! Am sichersten für den Schnorchler und im Sinne des Umweltschutzes sicher am besten ist es, wenn man möglichst wenig im Wasser anfasst oder gar zertritt. Notfalls werden uns die Nesseltiere oder die Seeigel daran erinnern. Seeigel treffen wir an manchen Felsstrandabschnitten in großer Zahl an. Diese harmlosen Pflanzenfresser gehören zusammen mit den Seesternen und den Seegurken zu den Stachelhäutern. Diese allesamt sehr langsamen Tiere sind trotz ihrer recht archaischen Form relativ hochentwickelte Tiere. Seegurken oder Seewalzen treten im Flachwasser oft sehr zahlreich auf. Wegen der mit kleinen Steinchen bedeckten Haut erinnern sie uns an große, in den Sand gefällene Würste. ![]() Schleimfische sind lebhafte, intelligent wirkende Bewohner der Felsenküsten. Einige fallen urch attraktive Färbung auf, andere sind ausgesprochen tarnfarben. Am meisten ist der Schnorchler gewiss von den Fischen begeistert. Hier sind es besonders die clownartigen Schleimfische. Ihre oft sehr farbig gezeichnete, gelegentlich auch tarnfarben gescheckte Körperoberfläche besitzt keine Schuppen, sondern sehr viele schleimabsondernde Drüsen - daher der Name! Die putzigen Fische liegen, sich mit den Flossen abstützend, bäuchlings auf den Felsen. Oft nähern sie sich mit langsamen Schlängelbewegungen des ganzen Körpers neugierig dem Taucher, um dann blitzschnell in einer Spalte oder in einer Höhle zu verschwinden. Wenig später blicken sie wieder aus der Höhle heraus. Auf ihren Köpfen haben sie kleine bäumchenartig verzweigte Tentakeln, deren Funktion noch nicht geklärt werden konnte. ![]() Der Meerjunker, Coris julis gehört zu den Tieren mit regelmäßigem Geschlechtswechsel. Mehr dazu im Kasten! Sicher werden wir auch von den Lippfischen begeistert sein. Am häufigsten wird uns der Meerjunker, Coris julis, gelegentlich auch der Meerpfau, Thalassoma pavo, begegnen. Es sind beides schlanke, farbenprächtige Fische, die durch ihre besondere Schwimmweise auffallen. Die unermüdlichen Schwimmer schlagen kräftig gleichzeitig mit beiden Brustflossen und gleiten so eine längere Strecke.
Beide Arten sind herrliche Aquarienfische, wenngleich sie in kleinen aber auch in größeren Aquarien Artgenossen gegenüber oft ausgesprochen unverträglich sind. Wie viele Lippfische, graben sich Coris julis bei Nacht und bei Gefahr in den sandigen Bodengrund ein. Interessant ist auch, dass es sich bei diesen Fischen um Zwitter handelt. Sie beginnen als unscheinbare Weibchen und verwandeln sich mit zunehmender Größe und zunehmendem Alter in farbenprächtige Männchen. ![]() Am Meeresboden liegen in etwa 4 m Tiefe viele abgerissene Algen- und Seegrasteilchen. Hier sucht ein Schwarm Goldstriemen Boops salpa nach Futter. Mehr als alle anderen Fische beeindruckten mich beim Schnorcheln jedoch die Mönchsfische, Chromis chromis. Diese maximal 12 cm groß werdenden Fische mit dem dunklen Schwalbenschwanz sind im Alter unscheinbar schwarz-weiß-grau gefärbt. Dann fallen sie lediglich wegen der oftmals großen Schwärme auf, in denen sie auftreten. Wer jedoch Ende August oder im September schnorchelt, kann im Bereich der Felsküsten Bekanntschaft mit jungen Mönchsfischen schließen. Diese sind von einem leuchtenden Kobaltblau, dass selbst Neonfische vor Neid erblassen müssen. Dazu trifft man sie manchmal in ungeheueren Schwärmen an, die kaum scheu sind. Man kann manchmal regelrecht in diesem Farbenmeer baden! Schnorcheln kann toll sein!
Ab etwa 2 m Tiefe ist die Brandung so schwach, dass hier empfindliche Organismen wachsen können. Besonders an algenarmen Nordwänden kann man als Schnorchler gelegentlich ganze Rasen der zarten, bis zu 15 cm lang werdenden Hydrozoen-Kolonien von Halocordyle disticha finden.
Wenn man an der Wasseroberfläche schnorchelt, sieht man hin und wieder einen Fisch oder einen Gegenstand unten am Boden, den man gern antauchen möchte. Kein Problem: Luftanhalten und runter! Allerdings wird man sehr rasch einen Druck auf den Ohren verspüren, der schnell sehr schmerzhaft wird. Der Wasserdruck drückt unser Trommelfell mehr und mehr nach innen. Hier ist leicht Abhilfe zu schaffen. Man nimmt beide Finger an die Nase und versucht jetzt bei geschlossenem Mund auszuatmen. Das geht natürlich nicht, da Nase und Mund geschlossen sind. So wird jedoch der Innendruck im Mittelohr erhöht, das Trommelfell nimmt mit einem hörbaren Knacken wieder seine Normalstellung ein. Diesen Druckausgleich kann man - je nach Bedarf - beliebig häufig wiederholen. Mit wenig Übung kann man so 5 m tief tauchen, sehr sportliche Schwimmer kommen wesentlich tiefer. Nur die Sauerstoffnot begrenzt unsere Ausflüge in die Tiefe.
Wer etwas Mut hat (es gehört nicht viel dazu!) und nur ein wenig sportliche Fähigkeiten, sollte es sich nicht nehmen lassen, das Gerätetauchen zu erlernen. Dann kann man ohne Atemnot und ganz gelassen 20, 30 oder gar 40 Meter tief das Leben unter Wasser verfolgen. Das ist nicht schwer und die Gelegenheit dazu ist - wenn man sie nur sucht - vielerorts zu finden. © Dr. Jörg Vierke
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