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!!! Info !!! Jetzt im Aquanet.tv ein Film über Tauchen im Roten Meer. Erstausstrahlung Do 8. 5. um 18.00 Uhr! Mehr unter "Fernsehen: Fische, Reisen und mehr!" Wohl jeder, der erstmals am Ufer des tiefblau gefärbten Roten Meeres steht, fragt sich nach der Herkunft des merkwürdigen Namens. Sind es die an vielen Küstenstrichen braunrot leuchtenden Sandsteingebirge, die dem Meer seinen Namen gegeben haben, sind es
Für Taucher ist das Rote Meer mit seinem kristallklaren Wasser und den abwechslungsreichen Korallenformationen ein Traumziel. Es ist zwar das nördlichste Korallenmeer, gleichzeitig gehört es jedoch auch zu den wärmsten Meeren der Erde, da es allseitig von Wüste umgeben ist. Die Wassertemperatur beträgt hier bis zum Boden hin fast gleichmäßig 21,5° C. Im Sommer kann sie an der Oberfläche sogar auf bis zu 35° ansteigen. Das Rote Meer grenzt fast überall mit Korallenriffen an die Küste. Diese Saumriffe sind im typischen Fall als Lagunensaumriffe ausgebildet. Zum Ufer hin befindet sich eine seichte, sandige Zone, die durch Abtragung der Riffoberfläche entstanden ist. Weiter seewärts werden die Korallen mächtiger und reichen höher zur Wasseroberfläche empor, bis sie schließlich mit der Riffkrone die höchste Erhebung des Korallenriffs erreichen. Die Riffkrone liegt nur wenige Dezimeter unter der Wasseroberfläche. Am Riffrand schließlich geht es fast senkrecht in die Tiefe. Solche Riffkanten und -abfälle sind mit Sauerstoff und Mineralstoffen besonders gut versorgt und weisen daher einen großen Reichtum an Arten auf.
An einigen Stellen gibt es mitten im Roten Meer größere Inseln und Inselgruppen, die ihrerseits wieder mit Saumriffen umgeben sind. Im Nordteil des Roten Meeres, dort wo es sich in den Golf von Suez und den Golf von Akaba aufspaltet, findet man besonders viele solcher Inseln. Von der Sinai-Halbinsel und von der ägyptischen Stadt Hurghada sind die Inseln in wenigen Stunden mit Taucherbooten zu erreichen. Namen wie die Brother Islands, Giftun, Schadwan oder Gubal sind für viele Taucher zum Begriff geworden. Hurghada ist Ägyptens wichtigste Hafenstadt am Roten Meer. Der gesamte Weizen-Import nach Oberägypten, für das arme Land absolut lebenswichtig, erfolgt über diesen Hafen. Ansonsten hat die Stadt am Rande der Arabischen Wüste dem Touristen wenig zu bieten, wenn man von der Atmosphäre der orientalischen Basarstraßen absieht. Aber das Tauchen! Mit dem immer populärer gewordenen Tauch-Sport hat Hurghada in den letzten Jahren als Fremdenverkehrszentrum große Bedeutung für das devisenbedürftige Land erlangt. Nicht nur in der Stadt, auch einige Kilometer nördlich und südlich der Stadt sind direkt an der Küste regelrechte Bungalow-Städte aus dem Boden gestampft worden. Viele von ihnen sind fest in deutscher Hand, wenn man nach der Zusammensetzung der Gäste geht. Die meisten von ihnen tauchen oder surfen. Die Unterbringung ist in solchen Touristen-Städten je nach Buchung von einfach bis luxuriös, die Verpflegung ganz ausgezeichnet. Von Land und Leuten kann man auf diese Weise sicher nur einen sehr oberflächlichen Eindruck bekommen, auch wenn die Teilnahme an einer der organisierten Wüstentouren und ein Tagesausflug nach Luxor, Theben, Karnak und den berühmten Königsgräbern als absolutes Muss angesehen werden sollte!
Gleich in der ersten Woche nahm ich an einer Dreitagestour mit einem der Boote von der Tauchbasis teil. So lernt man die Inselwelt dieser Gegend am besten kennen. Bald hat man sich an das ständige Schaukeln in der bewegten See so gewöhnt, dass man es am Schluss der Tour zunächst regelrecht vermisst. Während der Fahrt kann man sich an Deck in die Sonne legen. Auch um Ostern herum ist es aber selbst hier auf dem Wasser so heiß, dass man versucht, möglichst einen Schattenplatz zu ergattern. - Der interessanteste Platz war neben dem Kapitän, einem immer freundlichen Araber. Ich verstand zwar nicht immer, was er zu erzählen hatte, aber er sah auf dem Meer mehr als alle anderen: dort zeigte er auf eine große Wasserschildkröte, die in den Wellen paddelte, da entdeckte er eine Dreiecksflosse, die aus dem Wasser ragt. Haifische? Nein, ein Delphin und bald eine ganze Gruppe, die uns für längere Zeit auf unserer Fahrt immer um das Boot herum jagend und spielend begleiten sollte. Der Kapitän ist gleichzeitig Chefkoch und sorgt nach den Tauchgängen immer für heißen Tee. Zur Nacht hin, wenn die Sterne funkeln, wie man es aus unseren Breiten nicht kennt, sitzt man noch lange an Deck zusammen, bespricht die Ereignisse des vergangenen Tages und plant die Unternehmungen des nächsten. "War das kein Wahnsinnswrack, das wir vor Shaab Abu Nuhas gesehen haben?“ „Der meterlange Krokodilsfisch war das Beste!" "Sag bloß, Du hast nicht die Oben-Ohne-Nixe gesehen, die dort auf 15 Metern ihren Fototermin hatte?" - Man kann auch Nachttauchgänge machen und bei dieser Gelegenheit im Licht der Lampen Tiere sehen, denen man normalerweise nur sehr selten begegnet. Kalmare, diese unglaublich flink schwimmenden Kopffüßler, tauchen plötzlich im Lichtkegel der Lampen auf; dort hat jemand einen Bärenkrebs gestellt... Es gäbe vieles zu berichten über die Nacht im Riff. Am besten schläft man draußen an Deck, aber die Nacht wird kühl. Gut, dass ausreichend Decken da sind. Am frühen Morgen Alarm. In der Bucht sind mehrere Mantas! Diese großen Teufelsrochen schwimmen direkt unter der Oberfläche, springen kurz auch ein kleines Stück aus dem Wasser. Sie scheinen gar nicht scheu zu sein. Schon sind wir im Meer und schwimmen auf die Burschen zu, um ihnen noch näher zu sein.
Unser Boot ist weit von der Küste entfernt. Die im Dunst jetzt blau getönten Berge des afrikanischen Festlands sind hinter uns. Vor uns taucht jetzt eine kleine Felseninsel im dunkelblauen Meere auf, deren Spitze eine weißen Leuchtturm trägt: Umm Kamar. Auf sie steuern wir zu. Rechterhand kann man in weiter Ferne eine Bohrinsel im Meer erkennen. Wir haben vor Umm Kamar geankert. Neben uns liegt bereits ein anderes Tauchboot. Jetzt hat das faule In-der-Sonne-liegen ein Ende, wir machen uns zum Tauchen fertig. Wo nötig hilft einer dem anderen. An Bord ist ausreichend Platz. Die Tauchgruppen sind eingeteilt, alles Notwendige besprochen. Wir hängen an unseren Tarierwesten im Wasser und schauen uns an. Alles OK? Dann runter! Wir halten das Mundstück unserer Tarierweste hoch und pressen die Luft heraus. Gleichzeitig atmen wir tief aus. Wie im Fahrstuhl geht es langsam nach unten. Hand an die Nase, Druckausgleich! Welch Gegensatz zu der öden Wasseroberfläche, zur kahlen, gelblichen Felsinsel - hier unter Wasser wimmelt es von Leben. Während wir langsam tiefer sinken, habe ich eine ungewöhnliche Begegnung, die mich zum Abstoppen meines Sinkfluges bringt: im Wasser schwebt ein völlig durchsichtiges, schwertartiges Gebilde von mehr als einem halben Meter Länge. Es ist ein Riesenzufall, dass ich es bemerkt hatte. Lediglich ein grüngoldener Schimmer hat mich darauf aufmerksam gemacht. Es ist nicht etwa ein Fisch, das Wesen hat keinen Kopf und sieht an beiden Seiten wirklich wie ein glasartig durchsichtiges Schwertblatt aus. Jetzt beginnt es, mit anmutig schlängelnden Bewegungen davonzuschwimmen, während es sich gleichzeitig blau färbt. Es handelt sich um ein ebenso faszinierendes wie von der Organisation einfach gebautes Tier, den Venusgürtel (Cestus veneris), dem ich hier zum ersten Mal begegne. Trotz seines völlig abweichenden Erscheinungsbildes gehört der Venusgürtel zu den Rippenquallen. Er erreicht eine Länge von bis zu 1,5 m und ist damit die größte Art aus dieser Klasse der Hohltiere. Im Dunkeln sollen Venusgürtel sogar ein fahles Licht aussenden können.
Wir haben uns eintariert, schweben jetzt also schwerelos im Wasser. Tarierwesten sind schon eine fabelhafte Sache. Früher musste man seinen Schwebezustand im Wasser nur mit der Atmung regulieren. Da war die Lunge gewissermaßen die Tarierweste. Inzwischen ist das Tauchen nicht nur einfacher, es ist auch sicherer geworden. Wir schwimmen jetzt entlang der Riffkante in etwa 10 m. Hier begegnen uns einige der schönen Tabakfalterfische (Chaetodon fasciatus). Diese auch als Maskenfalterfische bezeichneten Tiere sind hier endemisch, das heißt, sie kommen nur im Roten Meer vor. Dasselbe gilt für die noch auffallender gefärbten Gelben Rotmeer-Schmetterlinge (Chaetodon semilarvatus), die wir wenig später zwischen den Korallen sehen. Sie sind mit ihrem zitronengelben Körper, der nur bei genauerem Hinsehen ein bisschen dunkler quergestreift ist, nicht zu übersehen. Das einzige wesentliche Zeichnungsmerkmal der Gelben Rotmeer-Schmetterlinge ist ein maskenartiger blauschwarzer Fleck, der vom Auge nach hinten bis zum Rand der Kiemendeckel reicht.
Beim Tauchen ist es keineswegs so ruhig, wie man sich das als Nichttaucher oft vorstellt. Im Gegenteil, das Geräusch des Lungenautomaten und der ausgeatmeten Luftblasen ist oft sogar störend. Gelegentlich hört man aber auch Geräusche von den Meerestieren. Häufiger nimmt man ein Kratzen, Schaben und Knirschen wahr. Es sind Papageienfische, die sich mit ihren schnabelartig kompakten Gebissen ungeniert an den Verzehr der Korallen machen, ohne von ihrem Kalkskelett beeindruckt zu sein. Sie hinterlassen oft deutliche Fraßspuren in Korallen. Vor lauter Fischen sollte man nicht die niederen Tiere vergessen. Wunderschön gefärbte Weichkorallen, Schwämme und gelegentlich - quer zur Strömung stehend - riesige fächerartige Gebilde, die bis zu 3 Meter breit sein können: Hicksons Riesenfächer.
Inzwischen haben wir in etwa 17 m Tiefe das Ende des Riffabfalls erreicht. Hier beginnt der Sandboden. In einer Nische sitzt ein Rotfeuerfisch. Aber es ist nicht der uns von anderen Tauchgängen schon gut bekannte Pterois volitans, dieser Rotfeuerfisch hat strahlenartig verlängerte, weiße Flossenstrahlen. Es ist der Strahlenfeuerfisch (Pterois radiata), eine im Roten Meere nicht seltene Art, die uns später noch häufiger begegnete. Wir schwimmen nun in etwa 15 m Tiefe über dem Sandboden. Tiefer zu gehen lohnt sich hier nicht. Wir sind damit zufrieden, wissen wir doch, dass wir dann unseren Luftvorrat nicht so schnell aufbrauchen und bei sparsamer Atmung sicher eine Stunde untenbleiben können. Aus einer Höhle kommt eine riesige braune Muräne auf uns zugeschwommen. Ich war eigentlich auf der Suche nach einem solchen Burschen, aber dieser hässliche Kerl mit dem beindicken, schlangenartigen Körper und den großen Zähnen flößt mir doch Respekt ein - ich schalte schnellstmöglich den Rückwärtsgang ein! Jetzt kommt ein alter Bekannter vorbeigeschwommen. Wir kennen ihn aus Schauaquarien und von Fotos, aber auch unter Wasser sind wir ihm schon häufiger begegnet. Es ist der Imperator-Kaiserfisch, ein durch seine markanten, großflächigen Farbmuster wirklich majestätischer Fisch. Noch mehr allerdings beeindruckt uns wenig später ein noch wesentlich größerer Kaiserfisch, der Sichel-Kaiserfisch (Pomacanthus maculosus). Der reichlich 40 cm groß werdende Fisch ist leuchtend blau und hat an den Seiten als besondere Zeichnung einen großen gelben Halbmond. Charakteristisch sind einige schwarze Punkt- und Strichmuster im Stirnbereich. Diese sowie seine ebenfalls blaue Schwanzflosse unterscheiden diesen Kaiserfisch vom kleiner bleibenden Blauen Halbmond-Kaiserfisch (Arusetta asfur), dem man ebenfalls im Roten Meer begegnen kann.
Direkt auf dem Sandboden liegend finden wir einen prächtigen Blaupunktrochen (Taeniura lymma). Er muss natürlich abgelichtet werden. Man sollte sich ihm aber etwas vorsichtig nähern, denn die Rochen können mit ihren am Schwanz befindlichen Giftstachel böse Verletzungen verursachen. Er läßt sich von uns auch gar nicht stören. Wenig später entdecken wir gleich nebenan auf dem Sand weitere vier Rochen, alle mit den schönen himmelblauen Punkten wie der erste. Unser Finimeter zeigt uns an, dass unser Luftvorrat knapp wird und wir an das Auftauchen denken müssen. Gerade untersuchen wir noch die Reste des Haikäfigs, den Hans Hass hier seinerzeit heruntergelassen hatte. Er hatte hier aus der Sicherheit des Käfigs heraus Haifische beobachtet und gefilmt. Heute sind dort auf 18 m Tiefe nur noch von Korallen, Seescheiden und Schwämmen überwachsene Reste dieses Käfigs zu sehen, nach Haifischen sucht man bei Umm Kamar heutzutage vergebens. Stattdessen sehen wir viele der bekannten Doktorfische, so auch den in seiner bizarren Körperform eindrucksvollen Naso lituratus und den erst auf den zweiten Blick sehr attraktiven Zebrasoma desjardini. Beim Auftauchen erleben wir aber noch eine respekteinflößende Persönlichkeit, unser größter Fisch auf diesem Tauchgang. Es ist ein prächtiger Napoleonfisch von wohl gut zwei Meter Länge. Seinen Namen Napoleonfisch hat er nach dem Kopfbuckel, der bei diesem alten Männchen ganz besonders markant ausgeprägt ist. Er erinnert ein bisschen an die klassische Kopfbedeckung des damaligen französischen Imperators, daher der Name. Die grünen Riesenlippfische kann man um Hurghada immer wieder bei Tauchgängen beobachten. Es sind eindrucksvolle, gleichzeitig aber absolut harmlose Riesen. Wir sind wieder aufgetaucht, haben unsere Tauchausrüstung ablegt und liegen nun in der wärmenden Sonne. Es gibt viel zu erzählen und eins ist klar: wir waren bestimmt nicht das letzte Mal am Roten Meer! Rotfeuerfische in AktionDie schönen, aber giftigen Rotfeuerfische trifft man normalerweise träge am Boden oder in Höhlen liegend an. Hier „tanzen“ sie zu dritt im Freiwasser. Balzverhalten? Aufnahme im Roten Meer bei Sharm el Sheik / Ägypten am 10. 8. 2001. (Dauer: 2:01 Minuten).
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Foto rechts: Karettschildkröte Eretmocheilys imbricata |