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»» WissenswertesWissenswertes aus der Welt der Fische Vielleicht wissen Sie einiges schon – aber ich wette: Jeder wird noch was Neues finden! Wenn aus Frauen Männern werden
Meerjunker (Coris julis) sind im Mittelmeer nicht selten. Diese Lippfische beginnen ihr Geschlechtsleben als Weibchen. Die meisten von ihnen wandeln sich nach einiger Zeit um: Sie werden nach und nach wesentlich farbenprächtiger und auch ihre inneren Organe verändern sich. Es entstehen funktionsfähige Männchen – und sie entstehen nur auf diese Weise. Diese Form der Geschlechtsumwandlung nennt man Proterogynie (vorweiblich). Wenn Fische dagegen zuerst als Männchen, dann als Weibchen funktionieren, spricht man von Proterandrie (vormännlich). Man kennt das beispielsweise von Goldbrassen. Auch bei unseren bekannten Schwertträgern (Xiphophorus helleri) beobachtet man gelegentlich, dass sich funktionierende Weibchen in prächtige Männchen umwandeln!
Blinde Höhlensalmler sind nicht (völlig) blind
Daher fühlen sich Blinde Höhlensalmler unter den üblichen Aquarienbedingungen nicht wohl. Zum vollen Wohlbefinden brauchen sie Dämmerlicht - dies wiederum schließt eine Bepflanzung des Beckens aus. Das Aquarium braucht aber dennoch nicht kahl auszusehen: Aus bizarr geformtem Kalkgestein läßt sich ihr Höhlenbiotop vorzüglich nachbilden. Wenn wir entsprechendes Gestein finden, können wir durch überhängende Decken noch zusätzlich für Dämmerlicht sorgen.
Wenn die Männer Kinder gebären Das Brutpflegeverhalten der Seepferdchen ist hochentwickelt und sehr interessant. Die Seepferdchen-Weibchen legen ihre Eier in einem Brutbeutel des Männchens ab! Ein Känguru unter den Fischen! Die sehr dotterreichen Eier und die sich daraus entwickelnden Larven bleiben mehrere Wochen im Brutbeutel ihres Vaters. Das Brutorgan bietet den Eiern und Larven nicht nur Schutz, sondern ermöglicht durch sein reiches Gefäßnetz auch den respiratorischen Gasaustausch der Jungen und vielleicht sogar ihre Versorgung mit Nährstoffen, wenn ihr Dottersack aufgebraucht ist. Wenn sie selbständig sind, werden sie in regelrechten Wehen vom Vater "geboren". Interessanterweise kann man den Geburtsvorgang bei diesen Fischen mit exakt demselben Medikament auslösen wie beim Menschen!
Fische im Schlafrock
Übrigens: Die oft vorgetragene Sorge, der Klimawandel und der damit zusammenhängende Anstieg des Meeresspiegel würde die Malediven und andere "Korallen-Staaten" auslöschen, ist unbegründet. Korallen wachsen ausreichend schnell in die Höhe, sollte der Meeresspiegel wirklich stark ansteigen. Unsere Korallenfische und die Menschen, die auf diesen Inseln leben, werden also ganz sicher nicht heimatlos! Viele Papageifische zwängen sich nachts in Felsspalten um dort ungestört zu schlafen. Viele scheiden auch rund um ihren Körper einen Schleimkokon ab. In diesem „Schlafanzug“ sind sie vor nächtlich jagenden Räubern (z. B. Muränen) weitgehend sicher. Fest in ihre Hülle eingeschlossen verraten sie sich nicht, denn ihre Duftstoffe können nicht nach außen dringen!
Küssen Fische wirklich?
Küssende Guramis (Helostoma temminckii) machen ihrem Namen alle Ehre. Oft stehen sich diese Labyrinthfische gegenüber, schwimmen aufeinander zu und pressen ihre wulstigen Lippen aufeinander. Was wie Küssen aussieht sind aber eigentlich Maulkämpfe! So etwas sieht man auch bei anderen Fischen, z. B. bei vielen Buntbarschen. Andererseits: Vor der Paarung müssen die Partner ihre Individualdistanz überwinden, sie müssen miteinander ins Reine kommen. Viele Fische kämpfen zunächst heftig miteinander; es geht im Aquarium, aber auch in der freien Natur dann oft recht unfreundlich zu. So auch bei den Küssenden Guramis. Vor der Paarung sieht man die Helostoma-Parter besonders häufig beim Maulkampf. Aber es sieht dann doch schon sehr gemäßigt aus, ritualisiert! Vermutlich kann man hier tatsächlich von „Küssen“ sprechen! Offenbar ist es typischer Bestandteil der Paarungseinleitung!
Luxurierende Bastarde
Was aber, wenn doch? Speziell unter Aquarienverhältnissen kann man das erreichen. Die Bastarde sind steril – klar, aber sie zeigen oft einen Heterosis-Effekt: Merkmale beider Eltern sind jeweils verstärkt. Sie werden größer als jede ihrer Herkunftsarten oder sie zeigen gesteigerte Leistungen. Ein Beispiel für das sogenannte „Luxerieren der Bastarde“ zeigen Colisa lalia x labiosa Mischlinge. Wenn sie nach Beute spucken, erreichen sie größere Spuckhöhen und schnellere Frequenzen als die jeweiligen Eltern-Arten. – Nur als Anmerkung: In der professionellen Tierzucht (Haushühner!) macht man sich das routinemäßig zunutze.
Brutparasiten: Kuckuckswelse Viele Jahre lang erschien es unmöglich, bestimmte Welse aus der Gattung Synodontis zu züchten. Bis man schließlich auf des Rätsels Lösung kam. Die Welse brauchen maulbrütende Buntbarsche als Ammen für ihre Brut. Beim Ablaichen der Buntbarsche unterschieben die Welse den Cichliden ihren eigenen Laich. Im Maul ihrer Stiefmutter machen sich die kleinen Welse sofort nach dem Schlupf über ihre Stiefgeschwister her um sie zu verspeisen. Das Ergebnis: eines Tages entlässt die Buntbarschmutter einen ganzen Schwung kleiner Welse aus ihrem Maul! Mehr zu diesem Thema bei Fischverhalten.de: Symbiosen und Parasitismus
Fischeltern schmecken ihre Kinder
Bekanntlich erkennen junge Buntbarsche ihre Eltern an Merkmalen, die sie „von Geburt an“ kennen – besondere Farbmuster oder andere optische Signale. Wie aber erkennen die Buntbarsch-Eltern ihre Brut? Ganz offensichtlich auch an optischen Signalen, zusätzlich aber zweifellos auch am Geschmack. Das erstaunt nicht, denn schließlich nehmen nicht nur die Maulbrüter unter ihnen ihre Brut wieder und wieder bei der Pflege ins Maul! Mir ist nicht bekannt, ob in dieser Hinsicht schon systematische Versuche angestellt wurden. Das ist zweifelsfrei schwieriger als Versuche mit optischen Merkmalen. Aber Einzelbeobachtungen lassen keine andere Erklärung zu. Ich selbst machte entsprechende Beobachtungen mit brutpflegenden Segelflossern (Pterophyllum scalare) und beim afrikanischen Maulbrüter Astatotilapia burtoni. Zu entsprechenden Erfahrungen mit dem Blaumaul-Maulbrüter Astatotilapia burtoni klicken Sie auf diesen Link bei Fischverhalten.de
Fische mit vier Augen Vieraugen (Anableps anableps) schwimmen fast immer direkt am Wasserspiegel. Eigentlich haben sie nur zwei Augen. Diese sind aber unterteilt in jeweils einen Augenteil, mit dem der Fisch außerhalb des Wassers scharf sehen kann und eine untere Augenpartie, die darauf eingerichtet ist, dass die Tiere im Wasser scharf sehen können.
Flugbarben (Esomus) fliegen wirklich! Dass es Fliegende Fische im Meer gibt, weiß jedes Kind. Die Flugfische (Exocoetidae) nehmen mit kräftigen Schwanzflossenschlägen Anlauf und gleiten dann mehrere Meter hoch über die Wellen. Ein unvergesslicher Anblick, diese Segelflieger. Dass auch die südamerikanischen Beilbauchfische (Gasteropelecidae) fliegen, weiß fast jeder Aquarianer. Sie schlagen dazu schnell mit ihren Brustflossen – man könnte sie also die „Motorflieger“ unter den Fischen nennen!
Foto oben: Ein echter Flieger: Flugbarben (Esomus) Dass die Flugbarben (Esomus) aus dem tropischen Asien fliegen, sollte eigentlich jedes Kind wissen, denn der Name sagt es bereits! Tatsächlich aber weiß das kaum ein Aquarianer und auch kein Wissenschaftler (oder?). Man liest über sie nur, dass sie ausgezeichnet springen! Sie sind jedoch richtige Flieger, sogar "Motorflieger"! Ich musste das zu meiner Überraschung erleben. Als ich während einer Fangreise im Süden Thailands eine Flugbarbe am Schwanz hochhielt um sie kopfüber in das Tötungsglas zu verfrachten (Verzeihung, bei Sammelreisen muss das manchmal sein!), schlug der Fisch brummend mit den Flügeln – pardon, den Brustflossen. Es klang wie ein Gummimotor. Ich ließ den Fisch vor Schreck los und er flog in hohem Bogen davon! Nachtrag: Im Aquarien Atlas Foto Index S. 131 lese ich gerade über die Beilbauchfische: "Es sind die einzigen Fische, von denen bekannt ist, daß sie aktiv in der Luft fliegen (Nelson, 1994) ..." - Es besteht also Korrekturbedarf.
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