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Wissenswertes aus der Welt der Fische

Vielleicht wissen Sie einiges schon – aber ich wette: Jeder wird noch was Neues finden!

Wenn aus Frauen Männern werden

Meerjunker-Männchen - Coris julis

Meerjunker (Coris julis) sind im Mittelmeer nicht selten. Diese Lippfische beginnen ihr Geschlechtsleben als Weibchen. Die meisten von ihnen wandeln sich nach einiger Zeit um: Sie werden nach und nach wesentlich farbenprächtiger und auch ihre inneren Organe verändern sich. Es entstehen funktionsfähige Männchen – und sie entstehen nur auf diese Weise.

Diese Form der Geschlechtsumwandlung nennt man Proterogynie (vorweiblich). Wenn Fische dagegen zuerst als Männchen, dann als Weibchen funktionieren, spricht man von Proterandrie (vormännlich). Man kennt das beispielsweise von Goldbrassen.

Auch bei unseren bekannten Schwertträgern (Xiphophorus helleri) beobachtet man gelegentlich, dass sich funktionierende Weibchen in prächtige Männchen umwandeln!

 

Blinde Höhlensalmler sind nicht (völlig) blind

Blinder Höhlensalmler Anoptichthys jordani Erst 1936 wurde in Zentralmexiko bei Ciudad Valles in dem Kalkstein-Höhlensystem Cueva Chica der Blinde Höhlensalmler (Anoptichthys jordani) ent­deckt. Bei diesem Fisch sind durch die ewige Finsternis der Höhlen die Augen evolutiv verkümmert, die Hautpigmente fehlen. Das durchscheinende Blut läßt den Fisch etwas rosa und ir­gendwie nackt erscheinen. Diese Salmler-Art leitet sich von der pigmentierten und sehtüch­tigen Art Astyanax fasciatus ab (von vielen Au­toren wird sie auch als eine Unterart von A. fasciatus angesehen).

Die Jungfische haben in den ersten Tagen noch voll funktionstüchtige Augen. Erst mit zuneh­mendem Alter werden die Augen zurückge­bildet. Trotz ihrer vollständig zugewachsenen Augen können jedoch auch die erwachsenen Fische noch etwas Licht wahrnehmen.

Daher fühlen sich Blinde Höhlensalmler unter den üblichen Aquarienbedingungen nicht wohl. Zum vollen Wohlbefinden brau­chen sie Dämmerlicht - dies wiederum schließt eine Bepflanzung des Beckens aus. Das Aqua­rium braucht aber dennoch nicht kahl auszuse­hen: Aus bizarr geformtem Kalkgestein läßt sich ihr Höhlenbiotop vorzüglich nachbilden. Wenn wir entsprechendes Gestein finden, können wir durch überhängende Decken noch zusätzlich für Dämmerlicht sorgen. Seepferdchen

 

Wenn die Männer Kinder gebären

Das Brutpflegeverhalten der Seepferdchen ist hochentwickelt und sehr interessant. Die Seepferdchen-Weibchen legen ihre Eier in einem Brutbeutel des Männchens ab! Ein Känguru unter den Fischen! Die sehr dotterreichen Eier und die sich daraus entwickelnden Larven bleiben mehrere Wochen im Brutbeutel ihres Vaters. Das Brutorgan bietet den Eiern und Larven nicht nur Schutz, sondern ermöglicht durch sein reiches Gefäßnetz auch den respiratorischen Gasaustausch der Jungen und vielleicht sogar ihre Versorgung mit Nährstoffen, wenn ihr Dottersack aufgebraucht ist. Wenn sie selbständig sind, werden sie in regelrechten Wehen vom Vater "geboren". Interessanterweise kann man den Geburtsvorgang bei diesen Fischen mit exakt demselben Medikament auslösen wie beim Menschen!

 

Fische im Schlafrock

PapageifischPapageifische (Scaridae) sind eng mit den Lippfischen verwandt. Mit ihrem papageischnabelähnlichen Gebiss schaben sie ganze Korallenzweige vom Untergrund ab. Das wieder abgegebene Gesteinsmehl ist beim Aufbau der Sandstrände an tropischen Küsten von Bedeutung.

Übrigens: Die oft vorgetragene Sorge, der Klimawandel und der damit zusammenhängende Anstieg des Meeresspiegel würde die Malediven und andere "Korallen-Staaten" auslöschen, ist unbegründet. Korallen wachsen ausreichend schnell in die Höhe, sollte der Meeresspiegel wirklich stark ansteigen. Unsere Korallenfische und die Menschen, die auf diesen Inseln leben, werden also ganz sicher nicht heimatlos!

Viele Papageifische zwängen sich nachts in Felsspalten um dort ungestört zu schlafen. Viele scheiden auch rund um ihren Körper einen Schleimkokon ab. In diesem „Schlafanzug“ sind sie vor nächtlich jagenden Räubern (z. B. Muränen) weitgehend sicher. Fest in ihre Hülle eingeschlossen verraten sie sich nicht, denn ihre Duftstoffe können nicht nach außen dringen!

 

Küssen Fische wirklich?

Küssende Guramis Helostoma temminckii

Küssende Guramis (Helostoma temminckii) machen ihrem Namen alle Ehre. Oft stehen sich diese Labyrinthfische gegenüber, schwimmen aufeinander zu und pressen ihre wulstigen Lippen aufeinander. Was wie Küssen aussieht sind aber eigentlich Maulkämpfe! So etwas sieht man auch bei anderen Fischen, z. B. bei vielen Buntbarschen.

Andererseits: Vor der Paarung müssen die Partner ihre Individualdistanz überwinden, sie müssen miteinander ins Reine kommen. Viele Fische kämpfen zunächst heftig miteinander; es geht im Aquarium, aber auch in der freien Natur dann oft recht unfreundlich zu. So auch bei den Küssenden Guramis. Vor der Paarung sieht man die Helostoma-Parter besonders häufig beim Maulkampf. Aber es sieht dann doch schon sehr gemäßigt aus, ritualisiert! Vermutlich kann man hier tatsächlich von „Küssen“ sprechen! Offenbar ist es typischer Bestandteil der Paarungseinleitung!

 

Luxurierende Bastarde

Colisa lalia x labiosa MischlingArtfremde Fische sollten sich nicht verpaaren. Das ist kein moralischer Grundsatz sondern eine naturgegebene Vorgabe. Die Art-Mischlinge (Biologen dürfen auch ohne zu diskriminieren von Art-Bastarden sprechen!) sind in aller Regel unfruchtbar und das wäre im biologischen Sinne eine Sackgasse! Daher sorgen vor allem bestimmte Balzrituale dafür, dass keine artfremden Partner zur Fortpflanzung kommen.

Was aber, wenn doch? Speziell unter Aquarienverhältnissen kann man das erreichen. Die Bastarde sind steril – klar, aber sie zeigen oft einen Heterosis-Effekt: Merkmale beider Eltern sind jeweils verstärkt. Sie werden größer als jede ihrer Herkunftsarten oder sie zeigen gesteigerte Leistungen. Ein Beispiel für das sogenannte „Luxerieren der Bastarde“ zeigen Colisa lalia x labiosa Mischlinge. Wenn sie nach Beute spucken, erreichen sie größere Spuckhöhen und schnellere Frequenzen als die jeweiligen Eltern-Arten. – Nur als Anmerkung: In der professionellen Tierzucht (Haushühner!) macht man sich das routinemäßig zunutze.

 

Kuckuckswelse Synodontis multipunctatus

Brutparasiten: Kuckuckswelse

Viele Jahre lang erschien es unmöglich, bestimmte Welse aus der Gattung Synodontis zu züchten. Bis man schließlich auf des Rätsels Lösung kam. Die Welse brauchen maulbrütende Buntbarsche als Ammen für ihre Brut. Beim Ablaichen der Buntbarsche unterschieben die Welse den Cichliden ihren eigenen Laich. Im Maul ihrer Stiefmutter machen sich die kleinen Welse sofort nach dem Schlupf über ihre Stiefgeschwister her um sie zu verspeisen. Das Ergebnis: eines Tages entlässt die Buntbarschmutter einen ganzen Schwung kleiner Welse aus ihrem Maul!

Mehr zu diesem Thema bei Fischverhalten.de: Symbiosen und Parasitismus

 

Fischeltern schmecken ihre Kinder

Astatotilapia burtoni-Mutter

Bekanntlich erkennen junge Buntbarsche ihre Eltern an Merkmalen, die sie „von Geburt an“ kennen – besondere Farbmuster oder andere optische Signale. Wie aber erkennen die Buntbarsch-Eltern ihre Brut? Ganz offensichtlich auch an optischen Signalen, zusätzlich aber zweifellos auch am Geschmack. Das erstaunt nicht, denn schließlich nehmen nicht nur die Maulbrüter unter ihnen ihre Brut wieder und wieder bei der Pflege ins Maul!

Mir ist nicht bekannt, ob in dieser Hinsicht schon systematische Versuche angestellt wurden. Das ist zweifelsfrei schwieriger als Versuche mit optischen Merkmalen. Aber Einzelbeobachtungen lassen keine andere Erklärung zu. Ich selbst machte entsprechende Beobachtungen mit brutpflegenden Segelflossern (Pterophyllum scalare) und beim afrikanischen Maulbrüter Astatotilapia burtoni.

Zu entsprechenden Erfahrungen mit dem Blaumaul-Maulbrüter Astatotilapia burtoni klicken Sie auf diesen Link bei Fischverhalten.de

 

Fische mit vier Augen

Vieraugen (Anableps anableps) schwimmen fast immer direkt am Wasserspiegel. Eigentlich haben sie nur zwei Augen. Diese sind aber unterteilt in jeweils einen Augenteil, mit dem der Fisch außerhalb des Wassers scharf sehen kann und eine untere Augenpartie, die darauf eingerichtet ist, dass die Tiere im Wasser scharf sehen können.

Vierauge AnablepsWie bei den Lebendgebärenden Zahnkarpfen haben die Männchen der Vieraugen ein Gonopodium (Begattungsorgan), womit eine innere Befruchtung möglich wird. Hier gibt es jedoch eine erstaunliche Spezialisierung: einige Männchen können ihr Gonopodium nur nach links bewegen, andere nur nach rechts. Die „linksdrehenden“ Männchen müssen also zur Befruchtung rechts an das Weibchen heranschwimmen. Das funktioniert aber nur dann erfolgreich, wenn dieses Weibchen eine nach rechts gerichtete Geschlechtsöffnung besitzt! Weibchen mit einer nach links ausgerichteten Geschlechtsöffnung können nur durch die entsprechend gebauten Männchen befruchtet werden!

 

Flugbarben (Esomus) fliegen wirklich!

Dass es Fliegende Fische im Meer gibt, weiß jedes Kind. Die Flugfische (Exocoetidae) nehmen mit kräftigen Schwanzflossenschlägen Anlauf und gleiten dann mehrere Meter hoch über die Wellen. Ein unvergesslicher Anblick, diese Segelflieger.

Dass auch die südamerikanischen Beilbauchfische (Gasteropelecidae) fliegen, weiß fast jeder Aquarianer. Sie schlagen dazu schnell mit ihren Brustflossen – man könnte sie also die „Motorflieger“ unter den Fischen nennen!

Asiatische Flugbarbe Esomus

Foto oben: Ein echter Flieger: Flugbarben (Esomus)

Dass die Flugbarben (Esomus) aus dem tropischen Asien fliegen, sollte eigentlich jedes Kind wissen, denn der Name sagt es bereits! Tatsächlich aber weiß das kaum ein Aquarianer und auch kein Wissenschaftler (oder?). Man liest über sie nur, dass sie ausgezeichnet springen! Sie sind jedoch richtige Flieger, sogar "Motorflieger"! Ich musste das zu meiner Überraschung erleben. Als ich während einer Fangreise im Süden Thailands eine Flugbarbe am Schwanz hochhielt um sie kopfüber in das Tötungsglas zu verfrachten (Verzeihung, bei Sammelreisen muss das manchmal sein!), schlug der Fisch brummend mit den Flügeln – pardon, den Brustflossen. Es klang wie ein Gummimotor. Ich ließ den Fisch vor Schreck los und er flog in hohem Bogen davon!

Nachtrag: Im Aquarien Atlas Foto Index S. 131 lese ich gerade über die Beilbauchfische: "Es sind die einzigen Fische, von denen bekannt ist, daß sie aktiv in der Luft fliegen (Nelson, 1994) ..." - Es besteht also Korrekturbedarf.

 

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